Mittwoch, 25. Dezember 2013

Gedichte (141)

Sicher

Der Baum ist ganz prächtig geschmückt
Hoch auf ein Podest gestellt
Die Kinderaugen sind entzückt
Weil er gar so gut gefällt

Als wär nicht artig er gewesen
Wurd' der Baum fest eingezäunt
Um ihn vor dem kleinen Wesen
Zu sichern das ihn jetzt verträumt

Beguckt und auch betasten würd
Ebenso die schönen Kerzen
Das Kind, es ist zum Glück ganz still
Und schreit nicht etwa laut vor Schmerzen

Denn auch die Kerzen sind hoch droben
Gibts ob des Aufwands auch Gekicher
So kann das Kind hier doch ruhig toben

Es weihnachtet gar kindersicher

Montag, 23. Dezember 2013

Ein Lichtlein brennt - Ultrakurzgeschichte

Einen wunderschönen guten Tag zusammen,

Weihnachten steht vor der Tür und ich habe einen neuen Text für euch. Er ist für den Schreibwettbewerb der Lauscherlounge entstanden, das ist das Hörbuch- und Hörspiel-Label von Oliver Rohrbeck (vielen besser bekannt als Justus Jonas von den drei Fragezeichen und die deutsche Stimme von Ben Stiller). Dabei ging es darum, eine Ultrakurzgeschichte - ein großartiges Wort übrigens - zu schreiben, die drei aus mehreren Wörtern enthalten und einer bestimmten Länge entsprechen musste. Die Geschichten der Gewinner (die übrigens bisher großartig sind) gibt es hier zu bestaunen, eingelesen von prominenten Sprechern. Leider hat mein Text nicht gewonnen, aber ich möchte ihn euch dennoch nicht vorenthalten, er gefällt mir nach wie vor.

Ich wünsche euch ein schönes Weihnachtsfest morgen,

Viele Grüße,
Arno / Larry

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Ein Lichtlein brennt


Wie es von ihm verlangt worden war, betrat Hans-Peter Punkt 18 Uhr die Halle. Hinter ihm fiel die schwere Eisentür mit einem dumpfen Schlag ins Schloss. Plötzlich herrschte Dunkelheit um ihn herum. Für einen Augenblick dachte Peter an einen Stromausfall, doch wahrscheinlich wollte man ihm nur Angst machen.
Der erste Drohbrief war am ersten Dezember eingetroffen, das wusste er noch ganz genau. Gerade hatte er das Stückchen Schokolade aus dem Adventskalender vertilgt, da war ihm beim Durchsuchen der Post dieser Brief in die Hände gefallen. Aus Zeitungsbuchstaben gebastelt. ‚Was für ein Klischee‘ hatte er gedacht, doch beim Lesen war ihm flau im Magen geworden. Er solle sein Haus dieses Jahr undekoriert lassen, sonst würden schlimme Dinge geschehen. So ein Unsinn. Er war der beste im Dekorieren, er machte sich die meiste Mühe. Er hatte schließlich extra einen Wettbewerb für das am weihnachtlichsten dekorierte Haus der Stadt ins Leben gerufen. Einen Wettbewerb, den er seither selbstverständlich Jahr um Jahr gewonnen hatte. Keiner hatte es geschafft seine Verzierungen und immer neuen Figuren zu überbieten. Manche davon ließ er sogar extra anfertigen und freute sich dann das ganze Jahr auf die Adventszeit. Nein, das konnte er sich wirklich nicht bieten lassen. Doch seither waren jeden Tag aufs Neue Lichterketten verschwunden, Figuren und anderer Weihnachtsschmuck. Aus dem Garten. Vom Dach. Immer wenn er mal schnell Einkaufen war, arbeitete oder schlief – plötzlich fehlte etwas, wenn er sich sein geschmücktes Haus besah. Es hatte ihn fast verrückt gemacht. Und jeden Tag wieder der gleiche Brief im Briefkasten.
Nur heute war es ein anderer gewesen. Diesmal hatte man ihm befohlen in diese Lagerhalle zu kommen, wenn ihm etwas an seinen Sachen lag. Wut, Angst und Irritation wechselten in ihm in rasendem Tempo. Was ihn hier wohl erwartete? Die Dunkelheit war beklemmend. Von irgendwoher drang jetzt leise Musik an sein Ohr. Eine Frauenstimme sang ‚Advent, Advent, ein Lichtlein brennt‘.
Schlagartig flammte in der Halle ein Lichtermeer auf. Er erschrak, geblendet von so viel Leuchtkraft. Von so viel bunt. Das erste was er erkannte war ein Weihnachtsmann, ein Mensch in Verkleidung, der an einem Plastik-Rentier lehnte. An seinem Plastik-Rentier! Er sah sich um und sah noch mehr Menschen, alle in Weihnachtsmann-Kostümen. Und da waren seine Sachen. Die Lichterketten, die Figuren, sogar das große Krippenspiel. Einer der Weihnachtsmänner zog Kapuze und Bart aus. „Robert!“, rief Hans-Peter als er ihn erkannte. „Was machst du hier? Was soll das?“
Er sah Schamesröte im Gesicht seines Sohnes. Dann räusperte er sich. „Entschuldige Papa, wir wollten dir nur einen kleinen Schreck einjagen. Seit Jahren reden wir alle auf dich ein, damit du mit dem Quatsch aufhörst. Immer alles noch heller, noch bunter. Aber du wolltest ja nie hören.“ Robert zuckte mit den Achseln. „So als kleiner Denkzettel.“
Jetzt zogen auch die anderen Weihnachtsmänner ihre Kapuzen und Bärte ab. Hans-Peter erkannte die Sauerlichs von Gegenüber, die Familie Fischer und all die anderen Nachbarn. Alle mit einem Grinsen im Gesicht. Mit einem Lächeln fiel er seinem Sohn in die Arme. Die Nachbarn applaudierten. Doch er lächelte nicht vor Dankbarkeit, sondern in stiller Vorfreude darauf, wie die Nachbarn morgen reagieren würden. Auf ihre Gesichter wenn sie sahen, wie viel prunkvoller als all die Jahre zuvor er über Nacht sein Haus dekorieren würde. Vermutlich war der Postbote gerade dabei, die Pakete bei ihm abzuliefern. Vielleicht würde er die Rechnung von Roberts Taschengeld begleichen.

Mittwoch, 11. Dezember 2013

Gedichte (140)


Die drei Jahreszeiten


Noch nicht lange ist es her
Da stöhnten viele Leute
Über die Hitze mehr und mehr
Auch wenn sich mancher freute

Dann kam der doofe Herbst schon wieder
Massig Regen ging darnieder
Auch da wurde sich vermehrt
Übers Wetter gern beschwert

Und nun, da schlottern sie vor Kälte
Und ärgern sich über das Wetter
Das zuverlässig sich einstellte
So wie stets zur Winterzeit

Ich höre zu und voll Verdruss
Finde ich nur zu dem Schluss:

Der Deutsche, der kennt Wettersorten
hier und allerorten
nur von dreierlei Gestalt:

Es ist zu warm, es ist zu kalt
Oder zu nass für ihn alsbald

Gedichte (139)


Im Kreuzverhör


Warum wir hier sind, fragst du dich?
Warum wir dich befragen?
Zur Sicherheit, versteht sich
Also kein Grund, zu klagen

Nun, es ist ja schon verdächtig,
wie du da sitzt und bangst
Denn wer nichts zu verbergen hat
Der hat auch keine Angst

Und gestern erst, im Edeka
Hast dudu ungewöhnlich oft ganz sacht
Nach Kameras geguckt, das war
Als fühltest du dich überwacht

Weshalb googlest du nach den Systemen
Die dich vor Verfolgern schützen?
Ich muss dir da die Hoffnung nehmen
Die werden dir nicht sehr viel nützen

Nun es ist schon verdächtig
Dass einen Anwalt du verlangst
Denn wer nichts zu verbergen hat
Der hat auch keine Angst

Ein unbescholtener Bürger, der
Verschlüsselt keine Daten
Dann haben wir keinen Zugriff mehr
Davon ist schwer abzuraten

Was bist du? Nazi? Terrorist?
Wie? Nur auf Sicherheit bedacht?
Ach, hör doch auf mit diesem Mist
Nein, du wirst nicht „überwacht“

Es geht um deine Sicherheit
Das darfst du nie vergessen
Ist ja wohl keine Kleinigkeit
Wir kümmern uns nur angemessen

Jack Rodman - der ganzen Wahrheit erster Teil (1)

Einen wunderschönen guten Abend,

ich habe es mir spaßeshalber zur Aufgabe gemacht meinem Debütroman "Jack Rodman - die ganze Wahrheit" von nun an Stück für Stück in Gedichtform umzuschreiben. Eine Art Fortsetzungsgedicht also. Diejenigen von euch, die gestern beim Dichtungsring waren, haben die Premiere dieses Versuchs erlebt. Hier gibt es den Anfang nochmal niedergeschrieben. Ab jetzt gibt es zu jedem Dichtungsring einen neuen Abschnitt, es kann sich bis zur Fertigstellung also nur um Jahre handeln.
Ich wünsche euch eine wunderbare Weihnachtszeit,

Viele Grüße,
Arno / Larry

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Jack Rodman – der ganzen Wahrheit erster Teil

Ein jähes Klingeln ist zu hören
Der Mann, er hebt die Lider,
Wer wagt es, ihn im Schlaf zu stören?
Oh, er erkennt sie wieder

Die Wohnung die sein eigen ist
Langsam nur kommt er auf Trab
Erhebt sich müde, matt und trist
Nun schaltet er den Wecker ab

Die Freundin schläft im Bette noch
Die Augen rot von Tränen
So lang lief es jetzt so gut - und doch
Man sollte sich nie sicher wähnen

Sein Job, die Wohnung – alles stört
Mit ihr war nicht zu scherzen
Sie hat den Wecker nicht gehört
Die Dame seines Herzens

Den Schlafanzug, den zieht er aus
Und faltet ihn, muss Ordnung machen
Auf einem Fach im Schrank steht „Dienstag“ – draus
Holt er seine Anzieh-Sachen