Mittwoch, 25. Dezember 2013

Gedichte (141)

Sicher

Der Baum ist ganz prächtig geschmückt
Hoch auf ein Podest gestellt
Die Kinderaugen sind entzückt
Weil er gar so gut gefällt

Als wär nicht artig er gewesen
Wurd' der Baum fest eingezäunt
Um ihn vor dem kleinen Wesen
Zu sichern das ihn jetzt verträumt

Beguckt und auch betasten würd
Ebenso die schönen Kerzen
Das Kind, es ist zum Glück ganz still
Und schreit nicht etwa laut vor Schmerzen

Denn auch die Kerzen sind hoch droben
Gibts ob des Aufwands auch Gekicher
So kann das Kind hier doch ruhig toben

Es weihnachtet gar kindersicher

Montag, 23. Dezember 2013

Ein Lichtlein brennt - Ultrakurzgeschichte

Einen wunderschönen guten Tag zusammen,

Weihnachten steht vor der Tür und ich habe einen neuen Text für euch. Er ist für den Schreibwettbewerb der Lauscherlounge entstanden, das ist das Hörbuch- und Hörspiel-Label von Oliver Rohrbeck (vielen besser bekannt als Justus Jonas von den drei Fragezeichen und die deutsche Stimme von Ben Stiller). Dabei ging es darum, eine Ultrakurzgeschichte - ein großartiges Wort übrigens - zu schreiben, die drei aus mehreren Wörtern enthalten und einer bestimmten Länge entsprechen musste. Die Geschichten der Gewinner (die übrigens bisher großartig sind) gibt es hier zu bestaunen, eingelesen von prominenten Sprechern. Leider hat mein Text nicht gewonnen, aber ich möchte ihn euch dennoch nicht vorenthalten, er gefällt mir nach wie vor.

Ich wünsche euch ein schönes Weihnachtsfest morgen,

Viele Grüße,
Arno / Larry

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Ein Lichtlein brennt


Wie es von ihm verlangt worden war, betrat Hans-Peter Punkt 18 Uhr die Halle. Hinter ihm fiel die schwere Eisentür mit einem dumpfen Schlag ins Schloss. Plötzlich herrschte Dunkelheit um ihn herum. Für einen Augenblick dachte Peter an einen Stromausfall, doch wahrscheinlich wollte man ihm nur Angst machen.
Der erste Drohbrief war am ersten Dezember eingetroffen, das wusste er noch ganz genau. Gerade hatte er das Stückchen Schokolade aus dem Adventskalender vertilgt, da war ihm beim Durchsuchen der Post dieser Brief in die Hände gefallen. Aus Zeitungsbuchstaben gebastelt. ‚Was für ein Klischee‘ hatte er gedacht, doch beim Lesen war ihm flau im Magen geworden. Er solle sein Haus dieses Jahr undekoriert lassen, sonst würden schlimme Dinge geschehen. So ein Unsinn. Er war der beste im Dekorieren, er machte sich die meiste Mühe. Er hatte schließlich extra einen Wettbewerb für das am weihnachtlichsten dekorierte Haus der Stadt ins Leben gerufen. Einen Wettbewerb, den er seither selbstverständlich Jahr um Jahr gewonnen hatte. Keiner hatte es geschafft seine Verzierungen und immer neuen Figuren zu überbieten. Manche davon ließ er sogar extra anfertigen und freute sich dann das ganze Jahr auf die Adventszeit. Nein, das konnte er sich wirklich nicht bieten lassen. Doch seither waren jeden Tag aufs Neue Lichterketten verschwunden, Figuren und anderer Weihnachtsschmuck. Aus dem Garten. Vom Dach. Immer wenn er mal schnell Einkaufen war, arbeitete oder schlief – plötzlich fehlte etwas, wenn er sich sein geschmücktes Haus besah. Es hatte ihn fast verrückt gemacht. Und jeden Tag wieder der gleiche Brief im Briefkasten.
Nur heute war es ein anderer gewesen. Diesmal hatte man ihm befohlen in diese Lagerhalle zu kommen, wenn ihm etwas an seinen Sachen lag. Wut, Angst und Irritation wechselten in ihm in rasendem Tempo. Was ihn hier wohl erwartete? Die Dunkelheit war beklemmend. Von irgendwoher drang jetzt leise Musik an sein Ohr. Eine Frauenstimme sang ‚Advent, Advent, ein Lichtlein brennt‘.
Schlagartig flammte in der Halle ein Lichtermeer auf. Er erschrak, geblendet von so viel Leuchtkraft. Von so viel bunt. Das erste was er erkannte war ein Weihnachtsmann, ein Mensch in Verkleidung, der an einem Plastik-Rentier lehnte. An seinem Plastik-Rentier! Er sah sich um und sah noch mehr Menschen, alle in Weihnachtsmann-Kostümen. Und da waren seine Sachen. Die Lichterketten, die Figuren, sogar das große Krippenspiel. Einer der Weihnachtsmänner zog Kapuze und Bart aus. „Robert!“, rief Hans-Peter als er ihn erkannte. „Was machst du hier? Was soll das?“
Er sah Schamesröte im Gesicht seines Sohnes. Dann räusperte er sich. „Entschuldige Papa, wir wollten dir nur einen kleinen Schreck einjagen. Seit Jahren reden wir alle auf dich ein, damit du mit dem Quatsch aufhörst. Immer alles noch heller, noch bunter. Aber du wolltest ja nie hören.“ Robert zuckte mit den Achseln. „So als kleiner Denkzettel.“
Jetzt zogen auch die anderen Weihnachtsmänner ihre Kapuzen und Bärte ab. Hans-Peter erkannte die Sauerlichs von Gegenüber, die Familie Fischer und all die anderen Nachbarn. Alle mit einem Grinsen im Gesicht. Mit einem Lächeln fiel er seinem Sohn in die Arme. Die Nachbarn applaudierten. Doch er lächelte nicht vor Dankbarkeit, sondern in stiller Vorfreude darauf, wie die Nachbarn morgen reagieren würden. Auf ihre Gesichter wenn sie sahen, wie viel prunkvoller als all die Jahre zuvor er über Nacht sein Haus dekorieren würde. Vermutlich war der Postbote gerade dabei, die Pakete bei ihm abzuliefern. Vielleicht würde er die Rechnung von Roberts Taschengeld begleichen.

Mittwoch, 11. Dezember 2013

Gedichte (140)


Die drei Jahreszeiten


Noch nicht lange ist es her
Da stöhnten viele Leute
Über die Hitze mehr und mehr
Auch wenn sich mancher freute

Dann kam der doofe Herbst schon wieder
Massig Regen ging darnieder
Auch da wurde sich vermehrt
Übers Wetter gern beschwert

Und nun, da schlottern sie vor Kälte
Und ärgern sich über das Wetter
Das zuverlässig sich einstellte
So wie stets zur Winterzeit

Ich höre zu und voll Verdruss
Finde ich nur zu dem Schluss:

Der Deutsche, der kennt Wettersorten
hier und allerorten
nur von dreierlei Gestalt:

Es ist zu warm, es ist zu kalt
Oder zu nass für ihn alsbald

Gedichte (139)


Im Kreuzverhör


Warum wir hier sind, fragst du dich?
Warum wir dich befragen?
Zur Sicherheit, versteht sich
Also kein Grund, zu klagen

Nun, es ist ja schon verdächtig,
wie du da sitzt und bangst
Denn wer nichts zu verbergen hat
Der hat auch keine Angst

Und gestern erst, im Edeka
Hast dudu ungewöhnlich oft ganz sacht
Nach Kameras geguckt, das war
Als fühltest du dich überwacht

Weshalb googlest du nach den Systemen
Die dich vor Verfolgern schützen?
Ich muss dir da die Hoffnung nehmen
Die werden dir nicht sehr viel nützen

Nun es ist schon verdächtig
Dass einen Anwalt du verlangst
Denn wer nichts zu verbergen hat
Der hat auch keine Angst

Ein unbescholtener Bürger, der
Verschlüsselt keine Daten
Dann haben wir keinen Zugriff mehr
Davon ist schwer abzuraten

Was bist du? Nazi? Terrorist?
Wie? Nur auf Sicherheit bedacht?
Ach, hör doch auf mit diesem Mist
Nein, du wirst nicht „überwacht“

Es geht um deine Sicherheit
Das darfst du nie vergessen
Ist ja wohl keine Kleinigkeit
Wir kümmern uns nur angemessen

Jack Rodman - der ganzen Wahrheit erster Teil (1)

Einen wunderschönen guten Abend,

ich habe es mir spaßeshalber zur Aufgabe gemacht meinem Debütroman "Jack Rodman - die ganze Wahrheit" von nun an Stück für Stück in Gedichtform umzuschreiben. Eine Art Fortsetzungsgedicht also. Diejenigen von euch, die gestern beim Dichtungsring waren, haben die Premiere dieses Versuchs erlebt. Hier gibt es den Anfang nochmal niedergeschrieben. Ab jetzt gibt es zu jedem Dichtungsring einen neuen Abschnitt, es kann sich bis zur Fertigstellung also nur um Jahre handeln.
Ich wünsche euch eine wunderbare Weihnachtszeit,

Viele Grüße,
Arno / Larry

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Jack Rodman – der ganzen Wahrheit erster Teil

Ein jähes Klingeln ist zu hören
Der Mann, er hebt die Lider,
Wer wagt es, ihn im Schlaf zu stören?
Oh, er erkennt sie wieder

Die Wohnung die sein eigen ist
Langsam nur kommt er auf Trab
Erhebt sich müde, matt und trist
Nun schaltet er den Wecker ab

Die Freundin schläft im Bette noch
Die Augen rot von Tränen
So lang lief es jetzt so gut - und doch
Man sollte sich nie sicher wähnen

Sein Job, die Wohnung – alles stört
Mit ihr war nicht zu scherzen
Sie hat den Wecker nicht gehört
Die Dame seines Herzens

Den Schlafanzug, den zieht er aus
Und faltet ihn, muss Ordnung machen
Auf einem Fach im Schrank steht „Dienstag“ – draus
Holt er seine Anzieh-Sachen

Mittwoch, 16. Oktober 2013

Gedichte (138)

Einen wunderschönen guten Tag,

ein kleines Gedicht, das ich beim letzten Dichtungsring vorgetragen habe. Der Versuch mich selbst an die Dinge zu erinnern, die mich glücklich machen.
Ich wünsche euch einen schönen und selbstverfreilich glücklichen Resttag,

Liebe Grüße
Arno / Larry

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Was glücklich macht


Das Lächeln meines Kindes
Nach einer ruhigen Nacht
Der Blick in die Morgensonne
Ist man gerade aufgewacht

Eine feine Lieblingsspeise
Dampft in ihrer ganzen Pracht
Ein Tag der sanft vergeht
Vorbeischleicht mit Bedacht

Ein kühles Bier am Abend
Vom Kühlschrank gut bewacht
Der Rhythmus der Musik
Der Stimmungen entfacht

Eine schöne Zeile
Ganz plötzlich erdacht
Ein stimmungsvoller Text
In kurzer Zeit vollbracht

Das alles vereint
Ist was mich glücklich macht

Freitag, 11. Oktober 2013

Referenzen (1)

Einen wunderschönen guten Tag allerseits,

es gibt eine neue Kategorie namens "Referenzen", die ich unauffällig meiner Homepage hinzugefügt habe. Damit das nicht zu unauffällig bleibt, möchte ich den Inhalt hier auch vorstellen:


Ich bin ein großer Freund von Referenzen in Büchern und Geschichten. Bei Stephen King finden sich beispielsweise regelmäßig Bezüge zwischen den Büchern, in den Asterix-Comics gibt es oft Referenzen zu berühmten Musikern, Gemälden und auch in vielen vielen anderen Werken kann man sie entdecken. Da ich mich gerne auf andere Bücher, Songs etc beziehe, hier mal eine (noch unvollständige) Liste mit Referenzen, die in meinen Büchern, Gedichten und Erzählungen vorkommen. Wenn euch mehr auffallen schreibt mir an larry [et] arno-wilhelm.de, ich freue mich auf jeden Fall.

Schlicht und Ergreifend:

"Was wäre wenn" - Das Gedicht entstand während einer Zeit, in der ich sehr viel Ton Steine Scherben gehört habe. Darauf verweist auch die Zeile "Der Traum ist aus", die einem gleichnamigen (und großartigen) Song der Scherben entstammt.

"Meine nächste große Liebe" - Dieses Gedicht ist eine literarische Adaption eines gleichnamigen Songs von Götz Widmann. Song und Künstler gehören zu meinen absoluten Favoriten.

Ich und mein kleines Luxusproblem:


Der Titel des Buches ist ein Zitat aus dem Song "Single in Berlin" von Rainald Grebe.

Jack Rodman - die ganze Wahrheit:

Im Buch werden zwei Songs zitiert. Zum einen ist das "Mona" von Rüdiger Bierhorst von den Monsters of Liedermaching und zum anderen "Ein guter Tag zum Sterben" von J.B.O.

Dem Ende entgegen:

In der Erzählung taucht nebenbei eine Rodmanstraße auf, was natürlich eine Referenz auf den Protagonisten meines Debütromans ist.

BABYPOesie:

"Kitaplatz" - In diesem Gedicht wird ein Fräulein Speiter adressiert, was nicht nur ein passender Reim ist, sondern auch ein kleiner Verweis auf eins meiner Lieblingsbücher "Dr. med. Hiob Prätorius". Das ist ein Theaterstück von Curt Goetz das ich sehr mag und in dem ein Professor Spiter vorkommt. Während ich an dem Gedicht schrieb, habe ich zwischendurch immer wieder eine Hörspiel-Variante des Theaterstücks gehörtund dabei gefiel mir der "Kitaleiter / Spiter" - Reim so gut, dass ich ihn behalten habe, mit einer kleinen lautmalerischen Verschiebung, damit das Ganze besser lesbar ist.


Hin und wieder werde ich die Kategorie aktualisieren und würde mich sehr über Rückmeldungen eurerseits freuen,
Herzliche Grüße,
Arno

Schindluder & Moralapostel

Einen wunderschönen guten Tag allerseits,
 
2013 ist die zweite Anthologie der Periplaneta-Lesebühne "Vision & Wahn" erschienen. Sie trägt den Titel "Schindluder & Moralapostel" und enthält die beiden (abgesehen von meinem Blog) bis dato unveröffentlichten Gedichte "Moderne Kleingärtnervereine" und "Nein, Frau Doktor". Sie enthält viele Autoren die ich sehr schätze, unter anderem Matthias Niklas, Theresa Rath, Dirk Bernemann, Thomas Manegold, Marion Alexa Müller, Heiko Heller und Robert Rescue. 

Sie ist überall erhältlich wo es Bücher gibt, kostet 10 Euro und enthält viel feine Texte. 


Ich hoffe es geht euch gut bei diesem widerlichen Wetter,

Viele Grüße,
Arno / Larry

Dienstag, 1. Oktober 2013

Chuck Norris schafft den Bachelor in Regelstudienzeit

Einen wunderschönen guten Tag,
endlich ist mal wieder Zeit mich zu Wort zu melden. Es gibt eine gute und eine schlechte Nachricht: Ich habe "Hinter verschlossenen Türen" im Urlaub fertig geschrieben. Leider fehlen noch ein paar Überarbeitungsschritte für die es mir gerade an Zeit mangelt, bis das Ganze online geht. Um euch die Zeit bis dahin zu verkürzen gibt es hier schonmal einen noch unveröffentlichten Text von mir. Er hört auf den Namen "Chuck Norris schafft den Bachelor in Regelstudienzeit". Ich habe ihn für meinen Auftritt bei der Langen Nacht der Wissenschaften im Juli geschrieben. Er gehört inhaltlich zu meinem Text "Man kriegt kein Fleisch ohne Beilage" den ihr hier bei Youtube ansehen oder hier lesen könnt, je nach Bedarf. Der ursprüngliche Text ist nach meinem ersten Bachelor-Jahr geschrieben und hat sich langsam ein bisschen überholt angefühlt. Da hatte ich zur langen Nacht die Idee, dass ein Fazit zum Ende des Bachelor-Studiums gut passen würde.

Am 08.10. tritt übrigens ein weiteres Mal der Dichtungsring im Laika in Neukölln zusammen, den ich euch wärmstens ans Herz legen möchte. Dabei sind diesmal Matthias Niklas, Sascha Delitzscher, Marion Alexa Müller, meine Wenigkeit und The Sycamore Tree. Mehr dazu unter facebook.com/dichtungsring

Mit den allerbesten Grüßen,
Arno / Larry

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Chuck Norris schafft den Bachelor in Regelstudienzeit

Und dann stehe ich plötzlich da, mit ein paar Papieren in der Hand, und versuche zu realisieren, was da gerade passiert ist. Die Papiere sind ein Zeugnis, in deutscher und englischer Ausfertigung. Sie enthalten eine Aufzählung von Fächern, Noten und einen akademischen Grad. Ab sofort trage ich einen Titel. Bachelor of Science. Junggeselle der Wissenschaft. Und irgendwie fehlt etwas in diesem Moment. Etwas ganz entscheidendes. Die Fanfaren, die großen Jubelstürme, der Präsident der Vereinigten Staaten, oder zumindest der der Universität, der einem gratuliert. Menschen, die einen auf Händen durch den Flur tragen, Fans, die voller Bewunderung angelaufen kommen um einen Blick auf diesen Menschen zu erhaschen, der es tatsächlich geschafft hat. Auch wenn man es sich nicht eingestehen will, irgendwas in der Richtung hat man erwartet.
Stattdessen stehe ich in einem mäßig beleuchteten Flur voller Menschen, die mich keines Blickes würdigen. Menschen, die nur ernst und monoton immer wieder auf ihre Wartenummer und die Anzeige mit den leuchtenden Ziffern blicken. Wartenummer. Anzeige. Wartenummer. Anzeige. Ein Gong ertönt, die Ziffer springt eins nach oben, jemand geht hinein. Der Rest blickt wieder auf seine Wartenummer. Dann wieder auf die Anzeige. Wenigstens ein Schulterklopfen sollte ja drin sein, aber dafür müsste ich einen von diesen Menschen kennen und dem ist nicht so.
Soeben habe ich meinen ersten Abschluss gemacht. Und während den drei Jahren eine Menge Menschen gehen sehen, einen ganzen Haufen Zeug gelernt und einen gigantischen Berg an Dingen vergessen. Vielleicht war einiges von dem Druck den man gespürt hat nicht so systembedingt wie anfangs geglaubt. Vielleicht wäre es klüger gewesen, es ruhiger angehen zu lassen. Vielleicht wäre jetzt ein guter Zeitpunkt sich zu betrinken. Wenn schon keine Fanfaren und Jubelstürme, dann eben Sturm auf die Leber.
Aber streng genommen ist es zehn Uhr morgens und eventuell noch etwas früh dafür. Ich denke an die letzten Jahre zurück. An die Leute, die mit mir das Studium begonnen haben. An die, die erklärt haben, dass sie Informatik studieren wollen, weil sie Computerspiele mögen und sich mit dem Computer auch so ganz gut auskennen. An die, die in der Vorlesung World of Warcraft gespielt haben. Als die dann mal gegangen waren, stellte sich heraus, dass ich tatsächlich mit ganz normalen Menschen studiere, dass sich sogar der eine oder andere erstaunlich kluge Kopf unter ihnen verbirgt. Meine Füße tragen mich in eine unserer Cafeterien. Es mangelte vielleicht an Studentenpartys, wie ich sie mir vorgestellt hatte, aber immerhin gibt es hier auch am frühen Mittag schon gekühltes Bier zu kaufen. Ich lasse mich an einem Tisch nieder, trinke und beobachte die anderen.
Jetzt darf ich mich also für den Rest meiner Tage Bachelor nennen. Vor mir reihen sich zwar keine willigen Damen auf, die eine Rose geschenkt bekommen wollen, aber das war auch nicht wirklich zu erwarten.
 Mir fällt ein Satz ein, den ich mal auf einem Demo-Transparent gelesen habe. „Chuck Norris schafft den Bachelor in Regelstudienzeit“. Zugegeben, ich habe meinen Bachelor auch in sechs Semestern geschafft. Aber ich habe während dem Studium auch eine Gedichtreihe verfasst, die „Genesungslyrik“ heißt und im Krankenhaus und auf Kur an der Ostsee geschrieben wurde. Vielleicht, denke ich und trinke mein Bier aus, vielleicht ist es keine besonders gute Idee, sich mit Chuck Norris messen zu wollen.

Freitag, 12. Juli 2013

BABYPOesie - Gedichte mit Bauchzwerg (1)

Hallo ihr Lieben,

es gibt ein neues Buch von mir und ich bin sehr stolz darauf, wie schön es geworden ist. Mein dritter Gedichtband erscheint dieser Tage, ist schon bestellbar  und hört auf den Namen "BABYPOesie - Gedichte mit Bauchzwerg" . Er erscheint wie auch schon der Roman bei Periplaneta. Es ist der erste Gedichtband, der einem klaren Thema folgt und keine reine Textsammlung ist. Das Buch enthält Gedichte über den Kinderwunsch, das Ticken der biologischen Uhr, Schwangerschaftstests (im positiven wie im negativen Sinne), über die Zeit der Schwangerschaft, den Geburtsvorbereitungskurs, das Wochenbett und die Stillzeit. Es war mir eine große Freude all das zu durchleben und ich hoffe, euch werden die Gedichte gefallen.
Wer Facebook-Seiten mag, der möge bitte diesem Link folgen.



Der Gedichtband kostet 10 € und kann auf der Verlagsseite, bei Amazon und auch per Mail an larry (ät) arno-wilhelm.de bestellt werde.

Es sind 73 Gedichte auf 118 Seiten. Für das wunderhübsche Cover und die Kapitelillustrationen zeichnet sich Nicole Altenhoff verantwortlich und ich bin ihr sehr sehr dankbar dafür.


Zum Schluss des Posts folgt noch ein Gedicht aus dem letzten Kapitel des Buches.
Lasst es euch gut gehen,

Liebe Grüße,
Arno / Larry

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Träumer


Er träumt und zappelt mit den Händen
die Augen, die Verzückung spenden
sind nun schon lange fest verschlossen
doch er strampelt unverdrossen
Ob er Berge grad besteigt?
Tigern linke Haken zeigt?
Von riesengroßen Brüsten träumt?
Von Milch, die wogend überschäumt?
Von Hawaii und Cocktails schlürfen
Von dem was die Erwachsenen dürfen?
Rock’n’Roll und Party-Leben?
Feiern, Tanzen, Geld ausgeben?
Leider, leider weiß ich’s nicht
doch schau mal da in sein Gesicht
er lacht im Schlaf in sich hinein
es müssen wohl doch Brüste sein

Gedichte (137)

Einen wunderschönen guten Tag,

es war eine etwas längere Pause, aber sowas kommt in den besten Familien vor, wie man so schön sagt. Ich hoffe ihr habt eine schöne Zeit. Das folgende Gedicht war eine Art Auftragsarbeit für den letzten Dichtungsring, eine Aufgabe die Matthias Niklas und ich uns aus einer Laune heraus gestellt haben. Hier also die (leicht gekürzte) Fassung.
Ich wünsche euch eine schöne Zeit,

Liebe Grüße
Arno / Larry

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Moderne Komplimente








Wärst du eine Facebook-Seite - dann würde ich dich liken
Dich lieben und ehren, bis unsere Server streiken

Dein Aussehen genießen, deine Privatsphäre erkunden
Auf dir verweilen, Tag für Tag so manche Stunden

Dich nicht teilen sondern stets für mich behalten
Und bis zum letzten Post verwalten

Mittwoch, 8. Mai 2013

Gedichte (136)

Relativ schwer


Die Lungen werden enger
Die Luft zum Atmen fehlt
Atemzug um Atemzug
Der meinen Brustkorb quält

Werden die Schmerzen größer
Die Panik baut sich auf
Die Bewegungen nervöser
Angst vor dem weiteren Verlauf

Der Versuch fällt schwer
Alles zu relativieren
Der eigene Körper ist viel näher
Als fremdes Leid bei Mensch und Tieren

Hungersnöte, Weltschmerz, Krieg
Und die Sorgen anderer Leute
Gier, die statt Sozialem siegt
Allzu oft im Hier und Heute

An all das will ich denken
Doch er fällt wahnsinnig schwer
Der Versuch mich abzulenken
Die Lungen quälen allzu sehr

Und so muss ich mit ernstem Herzen
In aller Ehrlichkeit gestehen
Was kümmert mich das Weltgeschehen?
Ich will nur atmen ohne Schmerzen
Und langfristige Hoffnung sehen

Gedichte (135)

LyrikPlag


Es war dereinst mal ein Poet
Der grübelte im Stillen
Wie Autorenruhm entsteht
Er war getrieben von dem Willen

Feine Zeilen zu verfassen
Mit den Großen sich zu messen
Sich fröhlich inspirieren lassen
Und notfalls dafür zu vergessen

Wem genau der Text gehört
Man könnte sich da ja bedienen
Ist zwar ein wenig unerhört
Ein böses Spiel mit guten Mienen

Wie fest gemauert in der Erde
Steht er da und starrt gebannt
Heut noch soll es lyrisch werden
Gefällig und ganz schnell zur Hand

Er grübelt so spät bei Nacht und Wind
Welche Autoren zitierenswert sind

Und kurz und gut und jedenfalls
Und ganz im Allgemeinen
Der Dichter, der fand leider als
Er plagiieren wollte, keinen

„Gott sei Dank! Schon ist's vorbei
mit der Übeltäterei!!“
Und so folgte der Durchbruch dann doch leider nicht
Und die Moral von der Geschicht?

Wer jetzt keinen Text hat, der schreibt keinen mehr
Wer jetzt nicht berühmt ist, der wird es auch bleiben
Wird wachen, lesen, sich Schnaps einverleiben
Und auf ewig an Sätzen wie diesen rumschreiben

Gedichte (134)

Schöpferglück


Einsam ist es oft, zu Schreiben
Mit Ideen schwanger gehen
Sie aus dem Hirn aufs Blatt zu treiben
Wachsen und entstehen sehen

Sind sie dann in voller Pracht
Schlussendlich aufs Blatt gebracht

Regt in der Autorenbrust
Sich Schöpferglück biblischer Maße
Freude und die starke Lust
Es jedem Menschen auf der Straße

Einzeln lauthals vorzutragen
Doch würde mancher mich verklagen

Da nicht jeder Lyrik mag
Egal wie episch oder schlicht
Da Erinnerung finster nagt
An Folter im Deutschunterricht

Was hat der Autor sich gedacht?
Warum hat er's grad so gemacht?

Und so behalte ich's für mich
Bleibe fern der vollen Straße
Verbreite meine Lyrik nicht
In allzu nervtötendem Maße

Schreib Gedichte zuhauf
Über Schuld oder Sühne
Und hebe sie mir alle auf
Für meine Lyrik-Lesebühne

Samstag, 20. April 2013

Gedichte (133)

Weiter Weg


Ein weiter Weg liegt vor
Und ein weiter hinter uns
Die Temposchwankungen der Zeit
Sind ihre eigene, feine Kunst

Heut hab ich nicht viel zu sagen
Keine neuen, offenen Fragen
Nur schöne simple Lebensfreude
In diesem standfesten Gebäude
Das uns unsere Liebe baut
Wo man sich schützt und sich vertraut

Heut wollt‘ ich nur, dass ich dir sag:
Ich freu mich über jeden Tag

Gedichte (132)

Eine Ode an Ikea


Oh welch großer blauer Tempel
Hier so vielerorts präsent
Voller Möbel, voller Krempel
Durch dessen Gänge niemand rennt

Bis hin zu den Kassendamen
Wird hier geschlendert und geguckt
Da ein schöner Bilderrahmen
Hier ein kleines Kind, das spuckt

Egal wie kurz die Einkaufsliste
Wie wenig man auch kaufen will
Nach zwei, drei Stunden endlich biste
Am Auto - vollgepackt mit Müll

Zwar auch was du kaufen wolltest
Doch obendrauf gesellen sich
Gläser, Tassen, kleine Boxen
Und Teelichter noch zusätzlich

Erschöpft langst du zuhause an
Und schwörst dir nie zurückzukehren
Doch der Wille hält nicht lang
Kannst nicht ewig dich erwehren
Wirst bald den blauen Tempelbau
Erneut mit Einkaufslust beehren

Gedichte (131)

Einen wunderschönen guten Tag,

es sind recht vollgepackte Zeiten momentan, aber sie machen unglaublich Spaß. Das nächste Update von "Hinter verschlossenen Türen" steht zaghaft hinter dem Vorhang und traut sich noch nicht so recht raus, aber ich denke, es wird bald soweit sein. Bis dahin gibt es ein paar Veranstaltungsankündigungen, eine vage Andeutung und die Texte vom letzten Dichtungsring.

- Am 27.04. feiere ich zusammen mit Hans Sølo und einigen musikalischen Gästen den Release unserer gemeinsamen EP im KussKuss in Neukölln. Es hat eine ganze Weile gedauert, und ist dafür umso schöner geworden, dieses Projekt. Hans hat mehrere meiner Texte (die ich auch eingesprochen habe) vertont. Ist eine großartige Art, Lyrik wahrzunehmen, mit Musik im Hintergrund. Leicht abgewandelte Versionen werden wir an dem Abend auch darbieten. Hans wird zusätzlich seine Songs spielen, ich lese alte und neue Texte und ein paar Auszüge aus meinem Roman. Wir würden uns sehr freuen wenn ihr kommt. Hier gibt es noch mehr Infos dazu.
- Am 07.05. ist der nächste Dichtungsring, mit Matthias Niklas, Sascha Delitzscher, Theresa Rath, Hans Sølo und meiner Dichterigkeit im Laika in Neukölln. Beginn ist wie immer so ungefähr 19:30 Uhr und der Eintritt ist frei.

Nun zur vagen Andeutung: Ich habe im vergangenen Jahr eine Menge neue Texte geschrieben, von denen kein einziger seinen Weg hier auf den Blog gefunden hat. Wer mich in letzter Zeit live gesehen hat, wird auch schon den ein oder anderen davon kennen. Es wird mein erster Konzept-Lyrik-Band und ich freue mich schon darauf. Er wird irgendwann in den nächsten Monaten bei Periplaneta erscheinen, nähere Infos und ein bisschen mehr Details gibt es hier, sobald ich welche habe.

Allerbeste Grüße,
Arno / Larry

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Heimatversuch


Wenn man eine Kneipe betritt
der Barmann
die zwei Gestalten
die da eintreten
erkennt
dank der zahlreichen Nächte
die sie hier trinkenderweise überlebt haben
und wenn der Barmann dann
wortlos
und mit fragendem Blick
zwei Gläser hochhält
und auf ein kurzes Nicken hin anfängt
diese mit feinstem Fassbier zu füllen

Dann hat man ein Gefühl davon
was Heimat ist

Mittwoch, 30. Januar 2013

Gedichte (130)

Warum ich so zufrieden bin


Was ist denn nun schon wieder lustig
Fragst du wenn ich lache
Wenn ich meine Zeit genieße
Fragst du was ich nun schon wieder mache

Warum ich so zufrieden bin
Fragst du allen ernstes
Und da sag ich ganz bewusst:

Weil ich von hier weggehen kann
Und du stets bei dir bleiben musst

Gedichte (129)


Politikverdrossen

Ich würde so gern über Wahlen schreiben
Über Wahlkampf, Macht und Demokratie
Über all das geschäftige Treiben
Politik und erzeugte Hysterie

Aber ich kann nicht
Und will es auch nicht
Jedes Mal zieht’s mir die Augen zu
Der Kopf rutscht aufs Kissen
Ich schlafe im Nu

Ich würde so gern über die Kanzlerin schreiben
taktiles Verhalten und die Opposition
Das Eröffnen von Wahrheit in winzigen Scheiben
Zu viele Worthülsen und zu wenig Vision

Aber ich kann nicht
Es langweilt mich so
Nicht mal für Wut reicht
Das Glimmen in mir
Und wieder zieht es gleich
die Augen mir zu

Bin von all dem Unsinn frustriert
Vollkommen politikverdrossen
Ungewöhnlich unentschlossen
Und eine Prise desinteressiert

Doch bevor sich der Frust alle Glut einverleibt
Überliste ich ihn, ganz gerissen und schlau
Weil ich weiß, dass nur eine Chance noch bleibt
Und was ich jetzt mache, ich weiß es genau

Auf zum Laptop, ich werd' mich verdammen
Ich tu mir jetzt bewusst richtig weh
Um meine Wut neu zu entflammen 
Mit den Reden vom Parteitag der FDP

Gedichte (128)

Das „würde“ des Menschen ist unantastbar – ein Gedicht für den Konjunktiv

Mit zunehmendem Alter
Werden all die Träume
Gekürzt und präzisiert
Manche werden Schäume
Manche geradezu kastriert

Mit zunehmendem Alter
Geht die Möglichkeit verloren
Es kommen Plan und Ziel und Tat
So wenig bleibt unausgegoren

Drum bitte ich mich selber dann
Den Konjunktiv nicht zu verlieren
Ein bisschen „würde“, etwas „wäre“
Ein wenig „hätte“ mal probieren

Da entstehen dann blitzschnell
All diese großen Möglichkeiten
Die neuen Plänen,  Zielen, Taten
Hochachtungsvoll den Weg bereiten

Die werden dann neu präzisiert
Gekürzt, geradezu kastriert
Und durch Sorgen noch beschwert
Aber der Versuch war’s wert

Gedichte (127)

Einen wunderschönen guten Abend,

seit langem mal wieder ein bisschen Liebeslyrik. Einer der Texte vom gestrigen Dichtungsring im Laika in Neukölln. Es war mir wie immer ein inneres Freudenfeuer.

Viele Grüße,

Arno / Larry

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Ich habe dir heute kein Lächeln geschenkt

Auf dem Weg zur Arbeit
Wird mir ganz plötzlich klar
Welch große Kleinigkeit
Heute vergessen war

Ich habe dir heute kein Lächeln geschenkt
Nicht mal ein kleines
Noch nicht mal fast
War zu sehr in Gedanken, zu abgelenkt
hab meine Chance verpasst

Ist das der Punkt an dem es sich wendet?
Was heißblütig beginnt
Und mit Rheuma-Decken endet
Zuerst nur kein Lächeln
Dann vergisst man den Kuss
Der bei jedem Abschied
So dringend sein muss
Dann berührt man sich nicht mehr
Wird einander fremd
Älter und grauer
Und voreinander gehemmt

Ich habe dir heute kein Lächeln geschenkt
Nicht mal ein kleines
Noch nicht mal fast
Ich laufe zurück und lächle dich an
und küsse dich so lang ich kann
wie du es nicht nur dann und wann
und auf keinen Fall nur fast
sondern tagtäglich ein Leben lang
von Herzen dir verdient hast

Montag, 28. Januar 2013

Rezension: Thomas Sabottka - Land, Luft und Leichenschmaus

Guten Morgen allerseits,

ab sofort wird es hier auf dem Blog gelegentlich auch von mir verfasste Rezensionen geben. Bisher habe ich ja nur für Slammin' Poetry rezensiert, was ich auch weiterhin tun werde, aber ab sofort gibt es hier hin und wieder auch Rezensionen von Büchern, die dort nicht so ins Konzept passen. Los  geht's mit dem neuen Buch von Thomas Sabottka. Er ist sozusagen ein Verlagskollege von mir und sein Roman hat mich schwer begeistert.

Ich wünsche euch eine wunderbare Woche,
Mit den allerbesten Grüßen,

Arno / Larry

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In Brieskau-Finkenwalde, einem kleinen Ort in Brandenburg, brodelt viel unter der Oberfläche. Dunkle Geheimnisse in der Vergangenheit, die möglichst unter Verschluss bleiben sollen und in der Gegenwart seltsame Todesfälle, wohin man nur blickt. Und das, wo doch bald eine Investorengruppe vorbeikommen soll um zu beurteilen, ob sich das Örtchen als Standort für eine große lukrative Wellness-Oase eignet. Der Bürgermeister ist bemüht, den Glanz der Fassade von Brieskau-Finkenwalde zu wahren, aber ständig passieren neue Unglücksfälle, die die glorreiche Zukunft des Ortes bedrohen.

Thomas Sabottka hat mit “Land, Luft und Leichenschmaus” einen interessanten Versuch unternommen. Die Vielzahl von Charakteren in diesem Roman hätte leicht zu großer Verwirrung beim Leser oder zu einer grauen Masse langweiliger, flacher Charaktere führen können. Glücklicherweise ist genau das Gegenteil der Fall. Die vielen unterschiedlichen Charaktere in Verbindung mit der angehm lockeren Erzählweise Sabottkas lassen den Ort sehr belebt und vielfältig erscheinen. Jeder Einwohner hat seinen Platz, seine Motive und seine eigene Geschichte, die ihn mit dem Ort verbindet, manche regelrecht dorthin kettet.

Doch immer wieder passieren dieser Tage in Brieskau-Finkenwalde unangenehme Zwischenfälle, die dem Bürgermeister und seinen Mitstreitern das Leben schwer machen, nicht wenige davon mit tödlichem Ausgang. Manche beabsichtigt, andere purer Zufall. Zwischendurch drängt sich einem die Formulierung “sie fallen wie die Fliegen” geradezu auf. Doch Thomas Sabottka schafft es, das Geschehen im Buch so fein zu verstricken, dass jede Wendung, jede noch so kleine Unwahrscheinlichkeit, einen tieferen Sinn hat und sich in den Rahmen des Buches und des Ortes wie in ein großes Puzzle perfekt einordnet. Immer wieder stößt man auf Auflösungen für Geschehnisse, die vorher nicht unmöglich, aber doch ein wenig unwahrscheinlich waren, und erkennt plötzlich die tieferen Gründe.
Durch diese Vielfalt von Handlungssträngen und Menschen gepaart mit großem erzählerischem Können saugt der Roman den Leser schnell in sein kleines brandenburgisches Universum und lässt ihn nicht mehr los.

Die Verbindung zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Ortes ist in “Land, Luft & Leichenschmaus” schön verflochten. Die Vergangenheit, deren schemenhafte Bedrohung allgegenwärtig scheint, die Gegenwart, die immer neue Probleme bereithält, die die Einwohner und allen voran der Bürgermeister in Ordnung bringen müssen und die hoffnungsfrohe Zukunft des Wellness-Tempels, der die auf Hochglanz polierte Fassade erst nötig macht.

Die Geschichte endet mit einem für einen Ort in Brandenburg geradezu epischen Finale, das abseits von Hollywood-Klischees all die Handlungsstränge zu einem wohlverdienten Ende führt.

Der neue Roman von Thomas Sabottka liest sich gut und leicht. Stellenweise hält man als Leser inne und stellt fest, wie besorgniserregend möglich die Geschehnisse des Buches sind. Die Verkettung von Habsucht, Machtgier und allerlei anderen niederen Motiven, die zu den dunklen Stellen in der Geschichte Brieskau-Finkenwaldes führt, scheint nur allzu greifbar zu sein.

Alles in allem ist “Land, Luft und Leichenschmaus” eine sehr unterhaltsame Lektüre, die einen in die Abgründe der Charaktere und des beschaulichen Landlebens eintauchen lässt. Das Buch macht bis zur letzten Seite Spaß und ist durch die Bank immer wieder für Überraschungen gut.
Vielleicht gibt es ja eines Tages ein Wiedersehen mit Brieskau-Finkenwalde in einem anderen Buch. Ich würde mich sehr darüber freuen.


Samstag, 26. Januar 2013

Hinter verschlossenen Türen (6)

Einen wunderschönen guten Abend,

es wird mal wieder Zeit für einen neuen Teil von "Hinter verschlossenen Türen". So langsam erkämpft sich die Story mehr Raum als ich eigentlich für sie vorgesehen hatte, aber es macht einfach Spaß sie zu schreiben. Über Rückmeldungen dazu freue ich mich natürlich wie immer sehr. Bald kommen auch wieder neue Gedichte, neue Auftrittstermine und Infos über die Veröffentlichungen für 2013 hier auf dem Blog. Man darf gespannt sein.
Ich wünsche ein schönes Wochenende,

Fühlt euch gegrüßt,
Arno / Larry

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Hinter verschlossenen Türen - PDF

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6.  Kapitel

Sie stürmten beinahe gleichzeitig um die Ecke und hin zur Tür. Lisa-Marie lag bewusstlos am Boden. Peter wollte zu ihr hin, doch eine Hand packte ihn an der Schulter und hielt ihn an Ort und Stelle.
»Was?«, entfuhr es ihm, während er sich mit verständnislosem Blick umdrehte.
Lewandowski sah ihn mit ernster Miene an und schüttelte leicht den Kopf ohne etwas zu sagen. Peter drehte sich zurück. Sofort wurde ihm klar, warum Lewandowski ihn zurückgehalten hatte. Lisa-Marie lag noch immer auf der anderen Seite der Tür. Der Versuch zu ihr zu gelangen hätte ihn ebenfalls zu Boden gestreckt, nur auf dieser Seite. Er spürte, wie es in ihm loderte. Wie sehr er Lisa-Marie beschützen wollte. Er musste sich zusammenreißen.
»Wo ist der Cop hin?«, hörte er Lewandowskis raue Stimme fragen. Als Peter keine Anstalten machte, erneut loszustürmen, lockerte sich der Griff an seiner Schulter. Er sah sich nach allen Seiten um.
»Er bringt erstmal den Gefangenen in die Zelle, vermute ich. Wahrscheinlich kommt er danach zurück oder... «
»Oder er ruft gerade Verstärkung«, beendete Lewandowski den Satz für ihn. 
 »Sag Skinny Bescheid - Plan B«, sagte Peter mit Blick zu Lewandowski. Der ließ ihn los und drehte sich weg. Im Gehen zog er sein Handy aus der Hosentasche.
Lewandowski musste sich aus dem Schussfeld begeben. Unter anderen Umständen hätte Peter ihn gerne an seiner Seite gehabt, samt all seiner Gadgets und elektronischen Spielereien. Aber wenn der Android zurückkehrte und sie Lisa-Marie befreiten, konnte es sein, dass der es dabei schaffte, Lewandowski zu identifizieren. Das konnte ihre Pläne für den dritten Oktober ruinieren.
Während Lewandowski sich entfernte, blieb Peter an der Tür stehen. Er vergewisserte sich, dass die beiden von Fluffy betäubten Androiden noch immer stillstanden und versuchte seinen Blutdruck niedrig zu halten. Er merkte, wie sehr ihm die Routine der Jobs nach der Zeit im Knast fehlte. 

»Fluffy?«
Er sagte es leise, unsicher, ob sich dieser in der Nähe befand. Sofort lugte der Kopf des Androiden um die Ecke und sah ihn an. Er hatte neben Lisa-Marie gewartet.
»Wenn ich dir ein Signal gebe, trägst du sie hinaus. Bring sie zu mir dort rüber. Es sollte funktionieren. Sie darf auf keinen Fall verletzt werden, in Ordnung?«
Fluffy nickte, zog seine Pistole aus dem Holster am Gürtel und hob die bewusstlose Frau auf seine Arme. Der andere Cop war noch nicht zurückgekommen, es konnte sich nur um Minuten handeln.
Peter zog sein Handy aus dem Gürtel und rief Lewandowski an. Mittlerweile musste er in seinem Pick-up angekommen sein. Im besten Fall war er bereits dabei sich einzuloggen.
Peter hatte sich heute morgen von Fluffy die Zugangscodes für das Netz des Gefängnisses geholt und sie Lewandowski geschickt, für Notfälle. Hoffentlich schaffte der es, damit die Durchgangssperre wenigstens für ein paar Sekunden zu deaktivieren.
»Ich bin dran«, meldete sich Lewandowski.
»Hast du Skinny erreicht?«
»Der ist auf dem Weg. Sein Auto steht drei Blocks entfernt, das müsste zu schaffen sein.«
In diesem Augenblick erklangen die Sirenen. Nicht in der Ferne, sondern viel zu nah.
»Hast du... «, setzte Peter an, Lewandowski unterbrach ihn sofort.
»Ja, hab ich gehört. Ich muss mich beeilen, wenn sie erstmal den Rechner hier als nicht-staatlich identifiziert haben, werden sie mich augenblicklich aus dem Netz werfen. Es kann nicht mehr lange dauern.«
Seine Stimme klang gepresst und angespannt. Im Hintergrund erklang das ununterbrochene Klackern von Tasten.
Peter versuchte, die Richtung zu identifizieren, aus der die Sirenen kamen. Wenn er sich nicht irrte, dann von links aus Richtung Innenstadt. Er zog sich mit einem letzten Blick auf Fluffy, der die noch immer bewusstlose Lisa-Marie auf seinen Armen hielt, hinter die andere Hausecke zurück.
»Ich hab‘s«, rief Lewandowski. Die Euphorie war deutlich zu hören. »Jetzt oder nie!«
»Verwisch deine Spuren«, raunte Peter. In diesem Augenblick bogen die Polizeiwagen um die Ecke. Der Erste kam kurz vor der Tür zum Gefängnis zum Stehen, der Zweite mit quietschenden Reifen dahinter. Sicher waren noch mehr im Anmarsch.
»Fluffy, jetzt!«, rief Peter so laut er konnte und sah, dass Fluffy loslief und es durch die Tür schaffte. Ein Schuss fiel und der Android stolperte. Peter hielt das silberne Kreuz an seinem Hals umklammert und versuchte ruhig zu bleiben und zu begreifen, was passiert war. Der Schuss war nicht aus Richtung der Polizeiwagen gekommen. Es musste der Android gewesen sein, der Polizist, der vorhin einen Gefangenen hier eingeliefert hatte.
Peter sah vor seinem geistigen Auge, wie Fluffy hinfiel, wie Lisa-Marie von Kugeln übersät auf dem Boden aufschlug. Sah, wie er selbst um sein Leben rannte. Doch der Android lief weiter, als wäre nichts passiert, obwohl ihn die Kugel getroffen haben musste. Dabei schützte er noch mit seinem Körper den von Lisa-Marie. Kaum zu glauben. Wo blieb Skinny nur?
»Wir brauchen mehr Zeit!«, schrie Peter ins Handy.
»Okay, okay. Wenn ich den Code hier richtig einschätze, kann ich dir ein bisschen Zeit verschaffen.«
Mehr Klackern folgte, schneller als zuvor. Die Cops stiegen aus ihren Autos, nicht sicher, wie sie reagieren sollten. Es gab kein klares Programm für diese Situation. Aus ihrer Sicht feuerte ein Polizist im Inneren des Gefängnisses auf einen anderen außerhalb, der eine leblose Frau trug. Sie alle hatten ihre Waffen gezogen, doch bisher schoss keiner. Auch Fluffy war clever genug, keine Schüsse abzugeben.
»Okay, jetzt musst du nur den Gefangenen mitteilen, dass sie frei sind.«
Lewandowski sagte das ganz lapidar, als sei es nichts Weltbewegendes.
»Ich mach mich vom Acker, sonst hab ich hier auch gleich Besuch. Viel Erfolg!«
Peter überlegte einen Moment was er tun sollte, dann holte er tief Luft und rief: »Ihr seid frei! Lauft, so schnell ihr könnt!«
Blitzschnell zog er sich wieder ganz aus dem Sichtfeld der Cops zurück.
Für einen Moment schien nichts zu passieren, dann hörte er, wie hinter der Mauer jemand etwas von Freiheit schrie. Wie ein Lauffeuer ging der Ruf von Zelle zu Zelle. Peter wagte einen Blick um die Hausecke, im selben Moment peitschte ihm ein Schuss entgegen, der ihn nur knapp verfehlte. Er wusste nicht, ob er ihm oder Fluffy gegolten hatte, der jetzt in seine Richtung unterwegs war.
Peter hörte Lewandowski eine Querstraße entfernt wegfahren. Nein, er konnte das nicht sein, das Motorengeräusch kam auf ihn zu. Das war Skinny. Er hatte es endlich geschafft, seinen fahrbaren Untersatz herzubringen. Wieder ein Schuss, dann mehrere Schüsse in ihre Richtung. Immer wieder feuerte Fluffy jetzt nach hinten und schützte Lisa-Marie mit seiner Schulter. Gleich würden die Gefangenen beginnen, aus der Tür zu strömen.
Skinny riss das Steuer herum und kam mit einer Drehung schleudernd wenige Meter nach der Häuserecke zum Stehen. Erneut peitschten Schüsse. Peter betätigte den Auslöser in seiner Hosentasche. Die Explosion zerriss das schwarze Tape, das sie an der Tür angebracht hatten. Ein letzter Hauch von Ablenkung.
»Da rein!«, rief er Fluffy zu, der sofort begriff, was ablief und Lisa-Marie auf den Rücksitz bugsierte. Sie war gerade dabei, das Bewusstsein wiederzuerlangen und wehrte sich instinktiv gegen die mechanische Behandlung. Zum Glück schaffte er es, auch wenn sie vermutlich blaue Flecken davon tragen würde. Peter schmiss sich auf den Beifahrersitz, spürte ein unangenehmes Knirschen, als er auf dem Sitz aufkam, und rief laut: »Fahr los!«
Nichts passierte. Er drehte sich zu Skinny um und sein Magen vollführte einen Salto. Er hatte angenommen, Skinnys sicheres Auto, mit dem er so gern prahlte, wäre komplett kugelsicher, offensichtlich galt das jedoch nur für die Front- und Heckscheibe. Eine Kugel hatte bei seinem Wendemanöver das Seitenfenster durchschlagen und ihm den halben Hals aufgerissen. Die Menge an Blut, die aus der klaffenden Wunde strömte, ließ Peter würgen. Skinny rührte sich nicht. Jetzt blieb keine Zeit für nähere Untersuchungen, nicht mal für ein stummes Gebet. Die Polizisten kamen näher, Kugeln flogen ihnen um die Ohren. Die Glasscherben auf denen er saß machten das Ganze nicht angenehmer. So schnell er konnte, zog er ein Bein über die Mittelkonsole. Er schob Skinnys ein wenig zur Seite und trat mit dem linken Fuß das Gaspedal durch. Er überwand die Abscheu, die ihn bei der Berührung von Skinnys leblosen Händen überkam, griff ins Lenkrad und schaffte es knapp, nicht direkt in die nächste Hauswand zu donnern. Hinter ihm ertönte ein entsetzter Aufschrei, dann eine brüchige Stimme, die fragte: »Was ist passiert?«
Lisa-Marie war endgültig aufgewacht und hatte Skinnys Wunde bemerkt.
»Lass uns erstmal aus der Schusslinie kommen«, sagte Peter nervös, während er in die Seitenstraße einbog, aus der eben noch Skinny quietschlebendig erschienen war, um sie hier rauszuholen. So eine Scheiße.
Der letzte Blick zurück, bevor sie außer Sichtweite der Tür gewesen waren, hatte ihm gezeigt, dass es zwar immer mehr Autos der Bullen wurden, aber nur eines Anstalten machte, ihnen zu folgen. Mittlerweile drangen die ersten Gefangenen durch das Tor in die Freiheit und viele der Polizisten wandten sich diesem deutlich größeren Problem zu. Peter jagte die rote Schrottkiste so schnell sie konnte durch Berlins Innenstadt. Peter sah in den Rückspiegel, sie gewannen Abstand gegenüber dem Auto der Cops. Nicht weit vor ihm tauchte rechter Hand das Haus auf, in dem er sich die letzten Tage versteckt hatte. Unbewusst hatte er die ursprünglich geplante Route genommen, doch er fuhr weiter, um nicht auf das sichere Haus aufmerksam zu machen. Warum schalteten die Cops ihr Blaulicht nicht an? Um nicht zu viele Blicke auf sich zu ziehen?
Die Verfolgungsjagd ging nur wenige Minuten, in denen der Abstand zwischen ihnen immer größer wurde. Jetzt gaben die Polizisten auf und ließen sich zurückfallen. War ihr Auto defekt oder wirklich so langsam? In dem Augenblick hörte er ein leises Röcheln, dann ein Husten direkt neben sich. Vielleicht hatte Skinny doch noch eine Chance. 
Peter atmete auf und wandte sich an seine Ex-Freundin.
»Weißt du die Nummer vom Doc noch?«
»Ja, wieso?«
Er zog sein Handy aus der Tasche und warf es ihr nach hinten.
»Sag ihm, dass wir ihm in zehn Minuten einen Besuch abstatten und dass er die Garage öffnen soll. Ich will keine unnötige Aufmerksamkeit.«
»Als ob wir da jetzt nicht schon genug von hätten«, seufzte Lisa-Marie leise.