Dienstag, 15. November 2011

Gedichte (101)

Genesungslyrik II - Teil 22

Adieu


Ich hör am Strand das Meeresrauschen
Und sage ihm Auf Wiedersehen
Kann ein letztes Mal ihm lauschen
Morgen wird's Zeit heimzugehen

Dankbar bin ich für die Zeit
Hinter Rostock und Schwerin
Bin für die Rückkehr nun bereit
In mein wunderschönes, hässliches
und unvergessliches Berlin

Gedichte (100)

Es ist mal wieder Jubiläumszeit. Heute erscheint das 100. Gedicht auf diesem Blog und geht auch der Gedichtzyklus "Genesungslyrik II" dem Ende entgegen. 100 Gedichte seit Anfang 2007, dankeschön an jeden einzelnen, der mal auf dieser Seite war, es macht mir auch nach vier Jahren noch viel Spaß diesen Blog zu führen.

Mit den besten Grüßen
Larry deVito 

---

Genesungslyrik II - Teil 21

Die Angst vor morgen


Im Magen braut sich ein Gewitter
Aus Leid und Schuldgefühl zusammen
Frust schmeckt bitter
Und der klammen
Hände zittern offenbart die Sorgen
Um Existenz und Lebensmut
Die Angst vor morgen
Eine kleine Prise Wut

Auf den, der das alles hier verteilt
Glück gibt und nimmt und frei entscheidet
Wen das Schicksal bald ereilt
Wer lacht, wer liebt und wer noch leidet

Wenn der Morgen graut ist das Aufgeben so nah
Und trotzdem muss es weitergehen
Denn noch ist's wahr, sie dreht sich doch
Und dass es einmal besser wird
Dafür lohnt es sich aufzustehen

Montag, 14. November 2011

Gedichte (99)

Genesungslyrik II - Teil 20

Schweigen ist Gold


Er redet viel und sagt nur wenig
Er fühlt sich dabei wie ein König
Und ist doch nur der siebte Zwerg
Das fünfte Rad, ein Stein am Berg

Malt güld'ne Bilder mit den Worten
Die mich einfach nicht begeistern 
Denn stets will er nur allerorten
Sein Antlitz an die Wände kleistern

Ich denk dabei an Winnetou und längst vergangene Zeiten
An Shatterhand und wie sie durch den Wilden Westen reiten
Und was die Bücher dem Leser dabei zeigen:

Das höchste Gut ist oft das Schweigen

Sonntag, 13. November 2011

Gedichte (98)

Genesungslyrik II - Teil 19

Rückblick


So viel Veränderung, so viele Jahre,
Gedanken an längst verlorene Zeiten
Erinnerung, die ich bis heut' bewahre
Große Momente, wundervolle Kleinigkeiten

Ich bin nicht mehr, der ich einst war
Werd' es auch niemals wieder sein
Doch die Erinnerung, sie ist noch klar
Sie lässt mich niemals allein

Samstag, 12. November 2011

Gedichte (97)

Genesungslyrik II - Teil 18

Späte Tanzwut


Freitag Abend, heut' geht's los
die Rentner rufen auf zum Tanz
frisch aufgetakelt und furios
erwecken ihrer Jugend Glanz

Sie fegen furchtlos hin und her
Gehhilfen hoch in die Luft
tagsüber geht gar nichts mehr
jetzt weht hier Kölsch-Wasser-Duft

Legen 'ne heiße Sohle auf
Walzer, Tango, Slowfox, Jive
Blessuren nehmen sie in Kauf
die Alten geben sich High-Five

Jeden Tanz bekomm'se hin
die Prothesen festgezurrt
haben die guten Zähne drin
keiner der hier mault und murrt

Ein bisschen Heino und Roy Black
ich war noch niemals in New York
noch was von Dieter-Thomas Heck
schon wird neuer Wein entkorkt

Die ganze Klinik dreht am Rad
man tritt einander auf den Fuß
und wer keinen Partner hat
tanzt den Rollator-Klammerblues

Freitag, 11. November 2011

Gedichte (96)

Genesungslyrik II - Teil 17

Entschleunigung


Tabletten nehmen, inhalieren
Atemhilfsmuskeln trainieren
Essen und am Strand spazieren
Fahrradfahren, meditieren

Entschleunigung wie nie zuvor
Gesundheit steigt stetig empor
Die Langeweile schlägt mich nieder
Wann krieg ich meinen Alltag wieder?

Donnerstag, 10. November 2011

Gedichte (95)

Genesungslyrik II - Teil 16

Auf Lungenkur


Tagtäglich sieht man manche Leut'
Dank Seeluft frei von Atemnot
Und rauchen dafür wie ein Schlot
Weil sie das so sehr erfreut

Atem klingt als gäb's kein Morgen
Wer macht sich schon ums Atmen sorgen?
Verbrauchen Kippen nicht zu knapp
Herr, schmeiß' bitte Hirn herab!

Mittwoch, 9. November 2011

Gedichte (94)

Genesungslyrik II - Teil 15

Des Alters Weisheit


Ein neuer Tag, Ein neues Glück
Woher soll den Mut ich nehmen?
Den Blick nach vorne, nicht zurück
Ein Geist voll Sorgen, die mich lähmen

Muss mich für einen Weg entscheiden
In meinem Kopf nimmt Nebel mir die Sicht
Will jeden falschen Tritt vermeiden
Doch leider sehe ich die Zukunft nicht

Die Menschen hier um mich herum
Haben schon so viel zu erzählen
Ich dagegen bleibe stumm
Welchen Weg werde ich wählen?

Jung zu sein, von Vorfreude erfüllt
An manchen Tagen tauscht' ich's gerne ein
Gegen die Zeit, wenn die Begierde schon gestillt
Werd' ich mit meiner Wahl zufrieden sein?

Selig lächelnd auf das Leben sehen
Im Geist die schönen Tage neu durchleben
Oder werd' ich froh sein dann zu gehen?
Mich dem vergessen anheimgeben?

Mir bleibt wohl nichts, als Schritt für Schritt
Den Weg genau zu untersuchen
Auf Rutschgefahr und festen Tritt
frohlocken, lachen, laut zu fluchen
Und mich dem Leben hinzugeben

Dienstag, 8. November 2011

Gedichte (93)

Genesungslyrik II - Teil 14

Waagemut


Schon seit Tagen will ich mich nicht mehr auf die Waage wagen
Muss mich fragen was kann und wird mir wohl die Waage sagen
Hab Angst die Waage wird mich nicht mehr tragen
Sollt' meinen Magen kleiner machen und der Waag‘ entsagen
Sonst wird der Wanst schon bald über die Waage ragen
Werd' Kopf und Kragen wagen und chirurgisch Fett von Bauch und Magen tragen
Will verzagen, dieser Waage Waagenmacher unverhofft verklagen
Muss nun den Tag voll Festgelagen aus dem Kopf mir schlagen
Darf kein Fleisch für meinen Magen jagen
Dafür wie ein Kaninchen Tag für Tag an Möhren nagen
Mich mit Sport und Muskelaufbau plagen
Bis die Pfunde, die ungefragt auf meiner Hüfte lagen
Schlag auf Schlag vollständig abgetragen
Dann muss ich zum Glück nicht mehr verzagen
Und darf mich wieder auf die Waage wagen

Montag, 7. November 2011

Gedichte (92)

Genesungslyrik II - Teil 13

Die seltene Freude über ein defektes technisches Gerät


Wenn solch ein Moment entsteht
in dem mein traumhafter Computer
oder eines seiner Teile
mal eben und in aller Eile
flugs über den Jordan geht
werd' ich meist rot wie ein Puter

Fluche, schrei' wütenderweise
tiefer Frust ist's, der mich leitet
und Sorge um das schöne Geld
die mich dann stets spontan befällt
doch dieses Mal blieb ich ganz leise
denn es hat mir Spaß bereitet

Nicht, dass ich froh gewesen wäre
der Laptop-Bildschirm ist nun hin
doch die Lösung war recht schlau
denn ein Besuch der Frau,
nach der ich mich verzehre,
macht auf einmal so viel Sinn

Ein Informatiker ohne PC
ist vom Leben abgerissen
und mit uns'rer Einsamkeit
ergab das Grund genug, das Leid
zu lindern, sie kam zu mir an die See
musst' sie nicht noch mehr vermissen

Sie bracht' mir 'nen PC-Ersatz
auf dem ich diese Zeilen dichte
so waren wir für ein paar Tage
glücklich vereint und ohne Klage
Moral scheint hier nicht fehl am Platz
zu dieser kleinen Geschichte

So sag ich recht und sehr belesen:
Nichts im Leben war so schlecht,
dass es für nichts gut gewesen

Sonntag, 6. November 2011

Gedichte (91)

Genesungslyrik II - Teil 12

Ein bunter Hund


Wenn ich hier durch die Gänge streune
Fall' ich stets und ständig auf
Vom Durchschnittsalter bis zu mir
Gehen vierzig, fünfzig Jahre drauf

Die Kurklinik am Prerow-Strom
Ist mit Jugend dünn besät
Manch einer hier hat damals noch
zur Kaiserzeit das Korn gemäht

So mancher könnt' mir viel erzählen
Von Bismarck und den Kolonien
Doch er redet heut' nur noch
Von der Arthrose in den Knien

Wie ein bunter Hund bekannt
Jeder weiß hier wer ich bin
Ich bin jung, der Rest schon alt
Oder auf dem Weg dahin

Mancher hier hat viel erlebt
Erzählt von seiner ersten Ente
Familie gründen, Ruhestand
Nun sind die Enkel schon in Rente

Einer hat sogar erlebt
Erzählt er stolz seinem Besuch
Wie der erste Bond erschien
Doch nicht der Film, sondern das Buch

Wie ein bunter Hund bekannt
Jeder weiß hier wer ich bin
Ich bin jung, der Rest schon alt
Oder auf dem Weg dahin

So viel haben sie erlebt
Denk ich in ihrem Angesichte
Werd' bald gesund, dann geht's zurück
In meine eigene Geschichte

Samstag, 5. November 2011

Gedichte (90)

Genesungslyrik II - Teil 11

Nachtgedanken eines Kindes


Wenn ich groß bin, werd' ich gehen
Mit Schirm und Charme und gern gesehen
Der Welt zeigen, wer ich bin
Furchtlos mit gehob'nem Kinn

Alle Länder bereisen
Mit Reichen und mit Armen speisen
Jedem helfen, wo ich kann
Auch mal spenden dann und wann

Schwierige Probleme klären
Den Frieden und den Wohlstand nähren
Die Umwelt retten, Meere säubern
Kämpf' mit Dieben und mit Räubern

Bring sie auf die richt'gen Pfade
Helfe jedem voller Gnade
Selbständig und stolz und schön
So werd' ich, wenn ich groß bin, gehen

Doch jetzt so für den Moment
Wo ihr Erwachs'nen alle pennt
Hab ich Angst und denk verlegen
Darf ich mich vielleicht zu euch legen?

Freitag, 4. November 2011

Gedichte (89)

Genesungslyrik II - Teil 10

Vergissmeinnicht


Du bist nicht hier, ich sehne mich
nach Zeit zu zweit und aus mir spricht
Sehnsucht nach dir, ich liebe dich
Ach, schöne Frau, vergiss mein nicht!

Donnerstag, 3. November 2011

Gedichte (88)

Genesungslyrik II - Teil 9

An manchen Tagen


An manchen Tagen schweige ich
Weil ich nichts zu sagen habe
Behalte jedes Wort für mich
So vieles wird umsonst gesagt

An manchen Tagen frage ich nicht
Weil ich nichts zu fragen habe
Behalte, was ich denk', für mich
So vieles wird unnütz gefragt

An manchen Tagen müsst' ich mich
laut echauffieren bei all dem Mist,
alles sagen was auf meiner Seele liegt,
sich stets vermehrt und so schwer wiegt
fragen was zu fragen ist
Aber dennoch schweige ich

Mittwoch, 2. November 2011

Gedichte (87)

Genesungslyrik II - Teil 8

Abendrot


Die letzten Sonnenstrahlen
vergehen am Horizont
weichen der Nacht und malen
farbenprächtig und gekonnt

ein unfassbar schönes Bild
rot und orange ans Himmelszelt
dass es schnell zu fassen gilt
schon verdunkelt sich die Welt

schwarze Nacht umfängt die Sicht
die ersten Sterne sind zu sehen
all das für sich ist so schlicht
und dabei so ergreifend schön

Dienstag, 1. November 2011

Gedichte (86)

Genesungslyrik II - Teil 7

Holdes Antibiotikum


Ach du schöne Antibiose
egal ob Mann oder Mimose
bringst Gesundheit jedermann
jedem, der sie brauchen kann

egal ob Frau, ob kleines Kind
die Genesung kommt geschwind
jederzeit wirst du verschrieben
weil wir dich von Herzen lieben

bei Husten, Schnupfen, Heiserkeit
Krankheit, duck dich, sei bereit
wir schicken Antibiotika
bald schon bist du nicht mehr da

Nebenwirkung gibt es keine
alt und jung hilft's auf die Beine
wer will schon ruhen, Fernseh gucken
man kann doch auch Tabletten schlucken

du bist so wundervoll und drum
liebes Antibiotikum
der du verscheuchst all uns're Schmerzen
danken wir dir von ganzem Herzen