Donnerstag, 7. Juli 2011

Gedichte (71)

Leidensgeschichte eines Waldarbeiters

An dieser jungen Maid mein Lord
Verübte ich den Mord der so viel Leid
Über mein Leben brachte und das der Dame stark beschnitt
Als kurz nur mir die Axt entglitt weil diese laut über mich lachte
Mord ist’s wenn aus nied’rem Grunde ein Lebenslicht sein Ende finde
Und nieder ist beinah gelinde ausgedrückt für das was ich in jener Stunde
Empfand, warum ich diese Tat getan, statt mich nur einfach abzuwenden
Wollt nur ihr Lachen ich beenden, das so höhnisch und profan
Mich lächerlich da stehen ließ, seitdem habe ich kaum geschlafen
Seit die beiden sich da trafen, meine Axt und diese Frau, die Magda hieß

Das Gewissen schlecht, mir drückt der Schuh
Und ich finde keine Ruh, denn ich weiß es war nicht recht
Drum kam ich um hier zu gestehen und um Absolution zu bitten
Man wird es niemals wieder kitten, mein Herz das Magda mir gespalten

Mein Leid zahlt nun die Zeche, ach, was war ich für ein Tor
Mein Lord ich schwöre, ich verspreche, es kommt bestimmt nicht wieder vor

Gedichte (70)

Schweigeminute


Wir sitzen da, so wie wir immer saßen
In unserer kleinen Bar, fernab vom Lärm der Straßen
Meist trink ich ein Bier und du ein Gläschen Wein
Doch nur dein Körper sitzt noch hier,
im Geist bin ich schon lang allein

Wir reden über Zukunft, Beziehungen und Glück
Alles wirkt so abgestumpft, ich will die Zeit von einst zurück

Weit und tief waren mal die Themen, die wir hier alkoholgetränkt
Besprachen ohne uns zu schämen, bei Offenheit die manche Blicke senkt
Stets am gleichen Tisch und so oft es eben möglich war
Solang die Wunden noch frisch und die Erinnerung klar
An das was uns damals geplagt, Seelenreinigung, wie du es immer nanntest
Wir haben gemeinsam das Leben hinterfragt, als du mich noch kanntest
Jetzt sitz ich da, die Augen geschlossen, halte eine Schweigeminute für uns zwei,
die Zeit ist einfach weitergeflossen, was einmal war ist schon lange vorbei

Unsere Wege trennen sich, ich weiß, wir sitzen nie wieder hier,
Ich seh dir nach, versteh es nicht, doch mit dir geht ein Teil von mir

Gedichte (69)

Christian


Ich glaube fast, du gehst jetzt besser
Die schauen schon ziemlich grimmig drein
Der Typ auf zwölf Uhr hält ein Messer
Und setzt es sicher auch ganz gerne ein

Vielleicht hättest du besser die Klappe gehalten
Ihm nicht gesagt was für ein Assi er ist
Jetzt will er dich zusammenfalten
Bis du blutbefleckt elend am Boden bist
Du hast ja schließlich auch seine Mutter beleidigt
Und sein Ed-Hardy-Polo Shirt
Ihm gratuliert wie tapfer er seine Unschuld verteidigt
Ich glaube das hat ihn kurzzeitig verwirrt

Die Frau da hinter dir scheint nachzudenken
Wo sie dir ihre High-Heels gleich hintreten will
An deiner Stelle hätte ich langsam Bedenken
Dein Mundwerk steht einfach zu selten still

Vielleicht hättest du besser die Klappe gehalten
Ihr nicht gesagt, wie fett sie doch ist
Jetzt will sie dir den Schädel spalten
Bis du nur ein Haufen Vergangenheit bist
Musstest du wirklich die Schenkel anpreisen
100 Kilo hätten sie das Stück
Und man könne die Armen der Welt davon speisen
Ich glaube sie kommt darauf nochmal zurück

Und so war’s schon so oft
Doch mehr Glück als Verstand
Das dann stets und unverhofft
An deiner Seite Stand
Brachte dich jedes Mal heil wieder heim
Doch ich sag es dir ehrlich:
Heut bist du allein

Hast dir’s doch verdient – und das tausend Mal
Gingst ans Limit und ich, ich geh jetzt gemächlich nach Haus
Noch einen schönen Abend wünsch ich dir
Vielleicht lernst du ja endlich daraus

Gedichte (68)

So, endlich geht es hier mit Gedichten weiter. Nun folgen ein paar Posts hintereinander - alles Gedichte, die ich gestern beim Dichtungsring vorgetragen habe.

In wenigen Wochen ist mein Roman in der ersten Version fertig, dann sollte ich auch wieder mehr Zeit für das Schreiben neuer Gedichte haben.

Grüße
Larry


Alltag

Wenn Montag früh der Wecker klingelt
Man schlaftrunken zur Arbeit tingelt
der Dienstag wie im Flug vergeht
man Mittwochs viel zu spät aufsteht
und Donnerstag dann Überstunden
schieben muss,
der Rücken schmerzt vom ungesunden
langen ergonomisch fiesen
sitzen auf dem alten miesen
Schreibtischstuhl,
doch ein neuer ist zu teuer
und Freitag geht das schuften weiter
für Zukunft und Karriereleiter
am Wochenende Rasen mähen,
Garten jäten, Samen säen,
Sonntags erschöpft schlafen gehen
vor lauter Streß kein Land mehr sehen

Wenn Montag früh alles neu startet
erkennt man's dann ganz unerwartet
und lernt leider nur das daraus:
Rock'n'Roll sieht anders aus