Donnerstag, 10. Februar 2011

Gedichte (64)

Horst

Ängstlich guckt er in die Röhre
besorgt, er könnte was verpassen
hat dies‘ Zimmer und das Haus
schon so lang nicht mehr verlassen

Horst geht nicht raus, nicht auf die Straße
empfängt auch keinen, der ihn bedauert
Horst bleibt Zuhaus‘ denn er hat Angst
vor der Gefahr, die draußen lauert

Vor Anthrax, SARS und Noroviren
Vor Dioxin in Ei und Tieren
Burn-Out durch den Arbeitsstress
BSE, ADHS

Er bleibt daheim, er will sich schonen
vor Arbeitswut und Depressionen
chronischem Erkältungsleiden
Schmerzen in den Eingeweiden
Borderline und Magenkrämpfen
Pollenflug, giftigen Dämpfen
was er auch spürt, er fürchtet sich
vor Asthma, Durchfall, Sonnenstich,
Erbkrankheiten in der Sippe,
Pfeiffer’schem Fieber, Schweinegrippe
Fischvergiftung, Infektionen
Tod durch OPs und Transfusionen
hat Angst vor Maul- und Klauenseuchen,
vor Spinnen und vor Vogelscheuchen
Schönheitswahn und Bulimie,
Magersucht, Coulrophobie,

Angst vor Terror, Blut im Stuhl,
vor dem globalen Sündenpfuhl
Spannern, die ihn geil begaffen
vor alten pädophilen Pfaffen
die katholisch ihn bedrängen
Angst vor Muslimen die sich sprengen
und primitiv gottlosen Heiden,
er muss Versammlungsplätze meiden
und ebenso die Bahn und Busse,
Angst vor der Türe steht der Russe,
der mit Polonium ihn vergiftet,
Angst dass die ganze Welt zerklüftet
er sorgt sich um Gedächtnisschwund

er fürchtet auch, er ist gesund
und nur ein Hypochonder,
ein Angsthase, nicht allzu hell
und sonst auch nicht ganz normal
doch täglich zeigt ihm RTL:

Die Bedrohung ist real!