Donnerstag, 29. Dezember 2011

Dem Ende entgegen (2)

Einen wunderschönen guten Abend,

über die positiven Reaktionen auf den ersten Teil habe ich mich sehr gefreut. Hier also nun Teil 2 von insgesamt vermutlich 11. Wie regelmäßig die neuen Teile kommen, kann ich noch nicht garantieren, aber ich werde versuchen, zumindest alle zwei Wochen einen neuen Teil zu veröffentlichen.
Ich wünsche allen, die meinen Blog verfolgen, einen guten Rutsch ins neue Jahr und ein paar hoffentlich freie Tage,

Grüße,
Larry deVito

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Arno Wilhelm - Dem Ende entgegen - Download Kapitel 1 - 2

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Kapitel 2

Zum tausendsten Mal starrte Micha auf den kleinen weißen Zettel, den ihm der Automat in der Klinik letzte Woche ausgedruckt hatte. Ein Stück Papier, nicht größer als ein Briefumschlag, unspektakulär eigentlich. Wenig Text, und doch so voller Information. Drei Punkte standen darauf, abgesehen von seinem Namen und seiner Identifikationsnummer. Der Name der Krankheit, mögliche Therapien und die Lebenserwartung. Unter den Worten „Bronchialkarzinom (spätes Stadium)“ hatte er sich zumindest in der Klinik noch nicht viel vorstellen können, auch wenn das mit dem späten Stadium nichts Gutes hatte erahnen lassen. Nur, dass die Bronchien etwas mit dem Brustkorb und dem Atmen zu tun hatten, daran hatte er sich dunkel erinnert.
Ganz anders verhielt es sich da mit den beiden Punkten darunter. Neben den Worten „Mögliche Therapien“ stand nur „Chemotherapie / keine“, was bedeutete, dass es zur Chemo keine Alternativen geben würde. Da hatte er bereits vermutet, dass ein Bronchialkarzinom irgendeine Art von Krebs war. Krebs war die einzige Krankheit von der er je gehört hatte, die mit Chemotherapie behandelt wurde. Der letzte der drei Punkte war es schließlich gewesen, der ihm den Angstschweiß auf die Stirn getrieben hatte.

„Lebenserwartung (mit / ohne Therapie): 4 Monate / 4 Monate“

stand dort, in dieser schnörkellosen, schwarzen Schrift. Er hatte es nicht glauben können. Die Apparate mussten sich geirrt haben, irgendwo musste hier ein gigantischer Fehler vorliegen. Doch das war unwahrscheinlich. Nicht ein einziges Mal in seinem ganzen Leben hatte er gehört, dass eines der diagnostischen Geräte sich geirrt oder einen Fehler gemacht hatte. Aber drei Monate? Sicher, er hatte in den vergangenen Monaten fast permanent Schmerzen gehabt, oft auch Schmerzen in der Brust, ab und zu ein bisschen Blut gehustet, aber deswegen hatte man doch noch lange keinen Krebs. Daran starb man doch nicht. Jeder hatte doch mal Schmerzen. Jetzt wünschte er sich, er wäre nie in diese Klinik gegangen. Stundenlang ein unangenehmer Test nach dem anderen, bis der komplette Checkup vollendet war. Auf dieser kalten Krankenbahre liegen, während die Geräte im Raum den Körper auf Krankheiten absuchen. Schließlich eine Viertelstunde Wartezeit, und dann wurde die Diagnose ausgegeben. Diese verdammte Diagnose. Das Wort Krebs schien sich selbst jetzt, eine Woche später, noch in seinen Augapfel eingebrannt zu haben. Auch wenn er die Augen schloss, war es noch da und verhöhnte ihn. Dieser kleine weiße Zettel hatte sein ganzes Leben auf den Kopf gestellt, all seine Pläne für die Zukunft zunichtewerden lassen. Was konnte er noch tun? Was fing man mit drei Monaten an, mit den drei letzten Monaten seines Lebens? Musste er jetzt nicht noch irgendetwas Bedeutsames tun?
Keinem Menschen auf der Welt hatte er bisher von dieser Sache erzählt. Seinen Eltern nicht, seiner Schwester nicht, und auch keinem seiner Freunde. 31 war doch kein Alter, in dem man Krebs bekam. War das nicht etwas für alte Leute? Als er von der Klinik nach Hause gekommen war, hatte er sich noch einmal vergewissert, dass er das Wort Bronchialkarzinom richtig interpretiert hatte.
Dann hatte er sich auf sein Bett gelegt und darüber nachgedacht, wie es nun weitergehen sollte. Nur eines war schnell klar gewesen: Chemotherapie wollte er keine. Darüber hatte er ein bisschen was in der Schule gelernt, und er erinnerte sich noch zu gut an all die Nebenwirkungen, die da aufgezählt gewesen waren. Wenn er nur noch drei Monate zu leben hatte, wollte er die mit Sicherheit nicht im Krankenhaus verbringen. Doch was konnte er mit ihnen anfangen? Genau genommen hatte er die ganze vergangene Woche so gut wie nichts anderes gemacht, als genau darüber nachzudenken. Gestern war er dann endlich zu einer Entscheidung gekommen, und hatte für den heutigen Abend den Termin ausgemacht. Wieviel Uhr es jetzt wohl war? Den ganzen Vormittag hatte er nicht gewagt, seine Armbanduhr aus dem Nachttisch zu holen, in dem Bewusstsein, dass der Abend langsam aber stetig näher rückte. Auch wenn die Schmerzen nach wie vor furchtbar waren, war er sich nicht vollkommen sicher, wie er seinem Entschluss von gestern gegenüber stand. Nicht sicher, ob es die richtige Entscheidung war, auch wenn er das Gefühl hatte, jeden Aspekt bedacht zu haben.
Er gab sich einen Ruck, stand auf und schleppte sich mühsam in die Küche. Leuchtend rot prangte ihm die Uhrzeit vom Herd entgegen. Viertel vor Eins. Erst letztes Jahr hatte er seine ganze Wohnung neu eingerichtet. Hätte er da gewusst, wie wenig Zeit ihm noch bleiben würde, dann hätte er sicher besseres mit seiner Zeit und seinem Geld anzufangen gewusst.
Das Thema Zeit schien immer mehr zu seinem Lieblingsthema aufzusteigen. Plötzlich war sie so kostbar. Dieses Bewusstsein machte ihm überhaupt erst klar, wie sehr er seine bisherige Lebenszeit vergeudet hatte. Unzählige Urlaube, an irgendwelchen Stränden Cocktails schlürfen, sich von den vollautomatischen Servierwagen mit Drinks und Snacks versorgen lassen und sich halb amüsiert und halb gelangweilt die Sonne auf den Pelz scheinen lassen. Auch in Berlin hatte er seine Zeit zum größten Teil dazu genutzt mit seinen wenigen Freunden zu quatschen, irgendwelchen Affären nachzutrauern und Bier in sich hineinzuschütten. Allzu regelmäßig war ihm am Monatsende seine Rente knapp geworden, das Geld das er sich dann von seinen Eltern geliehen hatte, würde er nun wohl nicht mehr zurückzahlen. Das war nun schon der zweite Punkt, bei dem ihm das Thema Geld durch den Kopf ging. Vorher hatte er sich doch auch nie groß Gedanken um Geld gemacht, warum jetzt auf einmal? Vermutlich klammerte man sich einfach automatisch an die materiellen Dinge, wenn man dabei war alles zu verlieren. Vielleicht waren die Gedanken dazu leichter zu ertragen, als das Bewusstsein, was er allzu bald noch alles verlieren würde. War das möglich? Ergab das Sinn?
Zeit spielte da schon eher eine wirklich große Rolle. Aber wie hätte er seine Zeit in den letzten Jahren besser nutzen können, als mit Affären, Urlauben und Feiern? Er hatte nie Hobbys gefunden, die richtig zu ihm passen wollten, auch wenn er in seiner Kindheit und Jugend alles ausprobiert hatte, was ihm in den Sinn gekommen war. Im Keller seiner Eltern stapelten sich die Relikte, die daran erinnerten: Ein Billard-Kö, zwei Tischtennis-Schläger, eine Blockflöte, die kaum je zum Einsatz gekommen war, mehrere Anzüge für Judo und Karate, Bausätze für kleine Roboter, ein Fußball und mehrere Basketball-Leichen, denen schon lange niemand mehr Luft zugeführt hatte. Nichts davon hatte ihn mehr als ein paar Monate bei der Stange halten können.
Ein plötzlicher Hustenanfall überkam ihn und er griff nach einem Taschentuch, um das Blut nicht in der ganzen Küche zu verteilen. Nur mit Mühe schaffte er es, seine Atmung wieder zu beruhigen. Dieser verfluchte Husten, es tat jedes Mal so verflucht weh, als würde ihm jemand die Lunge aus dem Leib reißen. Wenn er lag war es meistens auszuhalten, doch sobald er aufstand, konnte er den Hustenreiz kaum unterdrücken. Er versuchte sich wieder zu konzentrieren, zwang sich, an den Gedanken anzuknüpfen, dem er gerade nachgegangen war.
Gut, Hobbys waren nicht sein Fall, was blieb sonst noch groß? Arbeit hätte es für ihn doch eh keine gegeben, und die richtige Frau hatte er bisher auch nicht kennengelernt. Ein paar schöne Frauen waren dabei gewesen, das musste er sich eingestehen, aber keine von ihnen wäre interessant genug gewesen, um mit ihr das Leben zu verbringen. Ein Leben, von dem ihm nun sowieso nichts mehr bleiben würde. Was das anging, war er auch froh, keine Kinder in die Welt gesetzt zu haben. Er konnte sich kaum etwas Schrecklicheres vorstellen, als seinen Kindern sagen zu müssen, dass man bald nicht mehr da sein würde, um ihnen beim Aufwachsen zu helfen. Letzten Endes war es also vielleicht gar nicht so schlecht, dass es ihn traf, wenn es schon überhaupt jemanden treffen musste. Es gab so viel Technik, alles wurde vollautomatisch durchgeführt, ständig wurde von irgendwelchen neuen Errungenschaften berichtet. Wieso gab es überhaupt noch Krankheiten? Seit Tagen gingen ihm so viele Gedanken durch den Kopf, und er hatte so wenig Antworten dazu.
Tief in Gedanken blickte er durch das miserabel geputzte Fenster hinaus in die Welt. Alles sah aus wie immer, jeder ging seinen Geschäften nach und versuchte, dem nebligen, trüben Wetter möglichst schnell wieder zu entfliehen. Im Kiosk gegenüber hämmerte ein älterer Mann entnervt auf den Knöpfen des Service-Automaten herum, vermutlich hatte er irgendeinen Fehler bei der Bedienung gemacht und machte sich jetzt nicht die Mühe, die Fehlermeldung auf dem Display zu lesen. Unwillkürlich musste Micha lächeln. In den letzten Tagen hatte ihn die Vorstellung so sehr beschäftigt und traurig gemacht, dass ihn hier kaum jemand vermissen würde. Ein paar Freunde, seine Familie, sonst niemand. Aber aus Gründen, die er nicht nachvollziehen konnte, versöhnte der Anblick des alten Mannes, der nun immer wütender auf die Knöpfe einprügelte, ihn ein Stück weit mit der Welt.
Vielleicht sollte er sich einen Plan zurechtlegen, wie er diesen Tag angehen würde, dachte er, noch immer mit einem Lächeln im Gesicht. Er würde es seinen Eltern erzählen, ihnen von der Diagnose und dem Termin erzählen, beschloss er, doch was konnte er danach tun? In Gedanken wanderte er seine Lieblingsplätze in der ganzen Stadt ab und entschloss sich dann, in den Zoo zu gehen. Dort war er lange nicht gewesen, aus Faulheit hauptsächlich, doch die Tiere würden ihm helfen, auf andere Gedanken zu kommen und es sich selbst leichter zu machen. Danach konnte er sich ja noch ein bisschen durch die Stadt treiben lassen, bis es an der Zeit war.
Einen Augenblick überlegte er, ob er hinuntergehen und dem alten Mann, der mittlerweile mit hochrotem Kopf den Automaten anbrüllte, helfen sollte, doch er entschied sich dagegen. Schließlich war heute ein besonderer Tag. Jetzt wo er es endlich aus dem Bett geschafft hatte, wollte er nicht noch mehr kostbare Zeit vergeuden.

Mittwoch, 21. Dezember 2011

Dem Ende entgegen (1)

Einen wunderschönen guten Abend,

das Jahr neigt sich so langsam dem Ende und ich möchte ein kleines Weihnachtsgeschenk loswerden. Für mich war es ein großartiges Jahr, mit etlichen Auftritten auf Slams, Lesungen und meiner Lesebühne. Vielen Dank an alle, die hier mitgelesen haben. Ich hoffe, 2012 wird ebenso schön. So wie es aussieht, wird es in den nächsten Monaten auch noch eine Menge Neuigkeiten von meiner Seite zu erzählen geben.
Aber jetzt erstmal zum Geschenk:
Ich schreibe an einer neuen Kurzgeschichte, die ich hier auf dem Blog nach und nach veröffentlichen werde. Heute kommt das erste Kapitel. Die Geschichte spielt in der Zukunft und heißt "Dem Ende entgegen".
Wer Kritik, Lob oder irgendetwas dazu zu sagen hat: Ich freue mich sehr über Mails an belaw@gmx.net, oder über Kommentare unter diesen Post.

Ich wünsche euch ein schönes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins Jahr 2012!

Gruß
Larry deVito



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Arno Wilhelm - Dem Ende entgegen - Download Kapitel 1

Arno Wilhelm - Dem Ende entgegen

Kapitel 1

„Diese Entdeckung führte zu einem Umbruch, der bis heute in der gesamten Weltgeschichte einzigartig ist. Ein Einschnitt, der sich durch alle Bereiche der Wissenschaft und Wirtschaft zieht. In den Jahren danach ist die effektiv notwendige Anzahl der Beschäftigten weltweit auf knapp eineinhalbtausend gesunken. Die Tendenz ist nach wie vor fallend, weshalb mit der Zeit unter den Akademikern und Führungspersönlichkeiten ein immer härterer Kampf um die wenigen verbliebenen Arbeitsstellen entstand. Ein Kampf, dem auch Sie sich in wenigen Jahren werden stellen müssen.“
Tims Stimme hallte von den Wänden wieder. Das winzige Mikrofon an seiner Wange, das von den Plätzen der Studenten aus kaum zu erkennen war, verschaffte ihm ausreichend Lautstärke, um auch in den hintersten Reihen des Hörsaals noch verstanden zu werden. Über 200 Augenpaare ruhten auf ihm, in seinem schwarzen Anzug mit grauer quergestreifter Krawatte. Jede seiner Bewegungen, jedes Wort und jede Geste wurden genau beobachtet. Nicht ein einziger von ihnen wagte es, zu schlafen, oder im Geringsten unaufmerksam zu wirken, auch wenn sie den Stoff seiner Vorlesung vermutlich beinahe ebenso gut kannten, wie er selbst. Das Fach hieß „Geschichte der Weltwirtschaft III“ - von den Studenten meist nur kurz WeWi III genannt - und umfasste die Entwicklungen der globalen Ökonomie von 2100 bis heute. 89 ereignisreiche Jahre, in ein einziges Semester gezwängt. Eine Stoffdichte, die in modernen Hochleistungs-Studiengängen wie diesem durchaus üblich genannt werden konnte.
Die heutige Vorlesung war Tim die liebste des ganzen Semesters, da das Jahr 2105, das sie in dieser Sitzung behandelten, derart einschneidende Veränderungen in der Welt hinterlassen hatte, dass diese auch heute noch den Alltag jedes Menschen, egal ob Mann, Frau oder Kind, beeinflussten.
„Natürlich besteht seit damals für jeden von uns die Möglichkeit, mit Hilfe der staatlichen Sofortrente schlicht gar nicht mehr zu arbeiten.“, fuhr er nun fort. „Ein Luxus unserer Zeit, den über acht Milliarden Menschen Tag für Tag in Anspruch nehmen, doch ich vermute, dies kommt wohl für keinen von Ihnen in Frage.“
Verhaltenes Gelächter auf den Bänken. Eine derartige Vorstellung war für die hier Versammelten mehr als absurd.
„Das hatte ich mir gedacht. Gut, das war es für heute, denken Sie an die Essays bis kommenden Freitag. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit“
Die Studenten klopften respektvoll auf die Tische, dann packten sie alle leise ihre Unterlagen zusammen und verließen den Saal in die verschiedensten Richtungen. Heute kam niemand zu ihm nach vorne, um irgendwelche Fragen zu stellen oder über den Vorlesungsstoff zu diskutieren, und auch wenn ihn das verwunderte, war er doch froh darüber.
Gemächlich sammelte Tim die auf dem Pult vor ihm verteilten Notizen ein und schaltete den Projektor aus. Er zog seine goldene antike Taschenuhr hervor. Es war jetzt kurz nach Zwölf. Noch acht Stunden. Seine Mundwinkel verzogen sich kaum merklich zu einem bitteren Lächeln.
Für einen winzigen Augenblick blieben seine Augen auf den Buchstaben hängen, die in schwungvollen Lettern in die Rückseite der Uhr graviert waren.

H.F.

Helena hatte sie ihm zum ersten Hochzeitstag geschenkt. Damals, als sie noch glücklich gewesen waren. Dessen war er sich sicher, an diesen Tagen waren sie glücklich gewesen. Lange bevor auch nur einer von ihnen ein Wort wie „Scheidung“ zum ersten Mal gedacht oder in den Mund genommen hatte. Tim spürte, wie die Kopfschmerzen langsam wiederkehrten und kramte in seiner Tasche nach einer weiteren Aspirin. Die wievielte war es heute? Vielleicht die fünfte? Er zählte es nicht mehr, es war auch egal. Noch acht Stunden. Mit der Selbstbeherrschung, die er sich in den letzten drei Wochen zu eigen hatte machen müssen, um überhaupt weiter zu funktionieren und seinem Alltag nachgehen zu können, lenkte er seine Gedanken zurück in die Gegenwart. Schnell steckte er die Uhr wieder in sein Jackett, nahm seine Tasche und verließ den Hörsaal zügig. Nur für einen winzigen Augenblick hatte er sich gehen lassen, nur für einen klitzekleinen Moment, doch noch immer konnte er den Schmerz, daran zu denken, nicht ertragen. Irgendwie musste er diesen Tag überstehen. Kleine, übersichtliche Schritte. Das war jetzt das Entscheidende. Er stieß die Tür nach draußen auf, trat auf den Campus und sog geräuschlos die kalte Herbstluft in sich auf.
Sollte er seinen Wagen nehmen oder war es besser, sich heute fahren zu lassen? Spontan entschied sich Tim, seinen Porsche in der Uni-Tiefgarage stehen zu lassen. Jede Fahrt in den letzten Wochen war ein Kampf mit der Versuchung gewesen, etwas sehr dummes zu tun. Am heutigen Tag durfte er sich nicht zu dergleichen hinreißen lassen. Schon mit dem Gedanken zu spielen war keine gute Idee.
Auf der Straße hielt er ein vorbeifahrendes Taxi an, indem er einen Daumen hinausstreckte, wie es im vergangenen Jahrhundert oft die Anhalter am Straßenrand getan hatten. Die schwarze Mercedes-Limousine hielt an und er ließ sich auf dem Beifahrersitz nieder. Der Fahrersitz war leer, doch das überraschte Tim nicht. Jedes Taxi wurde ausschließlich über den zentralen Bordcomputer gesteuert, der dank der Leitlinien auf der Straße, sekundenaktuellen GPS-Bildern, zahlreichen Kameras und Sensoren seiner Aufgabe, einen sicher ans Ziel zu bringen, bestens gewachsen war. In den Touchscreen tippte Tim die Adresse seines Appartements in Schöneberg und das Taxi machte sich geräuschlos auf den Weg durch das herbstlich düstere Berlin.
All diese Technik, von der er seinen Studenten gerade noch erzählt hatte, war so einflussreich, so entscheidend für die Welt, und dennoch konnte sie bei der menschlichen Gefühlswelt nicht weiterhelfen. Egal wie revolutionär es damals gewesen war, als man begann, die natürlichen Rohstoffe massenweise künstlich zu reproduzieren und gleichzeitig die weltweit notwendigen Arbeitstätigkeiten auf Maschinen und Roboter zu verlagern. Sobald es um Liebe ging, um Trauer, konnte keine Technik der Welt etwas an den Grundfesten des Problems ändern. Es mochte heute Dating-Agenturen geben, die über chemische Bestandteile deiner Haut und stundenlange Psychoanalyse den einen perfekten Partner auf der Welt für dich fanden, und trotzdem war nicht garantiert ob die Beziehung glücklich enden würde. Perfektion war auf Gefühlsebene nicht notwendig, es ging vielmehr um Glück. Eine Form von Glück, bei der technische Überlegenheit nichts ausrichten konnte. Mit müden Augen beobachtete Tim die Stadt, wie sie an seinem Taxi vorbeizog, sah die Menschen in den Cafés und Restaurants sitzen und sich unterhalten. Wie gerne würde er doch zu ihnen gehören, dachte er voll Wehmut. Zu diesen einfachen Leuten, die tagein, tagaus nichts anderes taten, als sich miteinander zu verabreden, zu essen, zu trinken und irgendwelchen Hobbys nachzugehen. Wenig Schulbildung, wenig Antrieb, ein hohes Maß an Zufriedenheit. Die erste Generation hatte noch Schwierigkeiten gehabt, sich anzupassen, als sie fast alle ihre Jobs verloren hatten und von einem Tag auf den anderen jedermann die Grundrente ausbezahlt bekam. Vielen war es damals noch schwer gefallen, sich von dem Gedanken an Arbeit zu lösen, das wusste Tim aus den Erzählungen seiner Großeltern und aus alten Quellen an seinem Institut. Nur wenige hatten weitergemacht, geforscht und gearbeitet. Ein winziger Prozentsatz wurde noch benötigt um die Technik weiterzuentwickeln. Herstellung, Feinschliff, Programmierung, all das konnten heutzutage Roboter erledigen, doch tatsächlich auf neue Ideen zu kommen, neues zu erfinden, das war bisher technisch nicht ersetzbar gewesen.
Die Menschen in den Cafés sahen so entspannt aus, so glücklich, dachte Tim. Früher hatte er sich darüber nie Gedanken gemacht, wie es den Menschen ohne Arbeit ging. Er war stolz gewesen, zu den wenigen Auserwählten zu gehören, die die Forschung vorantrieben und die ein Leben kannten, das nicht nur aus Konsum und Freizeit bestand. Doch war es das wert? Die zahlreichen Stunden, Tage, Wochen, die er gearbeitet hatte – hätte er sie nicht besser mit Helena verbringen sollen? Um diesen mittlerweile vollkommen sinnlosen Punkt kreisten seine Gedanken nun schon seit Tagen wieder und wieder. Es war vorbei, und nichts in der Welt würde das mehr ändern können. Das waren ihre Worte gewesen.
Als das Taxi vor seinem Haus hielt, stieg er aus. Bezahlen war nicht nötig, das Taxi fuhr sofort weiter, als er ausgestiegen war. Zügig betrat er das Haus, fuhr mit dem Fahrstuhl nach oben und betrat seine Wohnung. Diese Wohnung voller Erinnerungen.
Noch sieben Stunden und vierzig Minuten, dachte er.

Mittwoch, 7. Dezember 2011

Termine (8)

Guten Tag ihr lieben Menschen,

am 14.12., also kommenden Mittwoch, trete ich im Suicide Circus bei dem Kurzfilmabend shortCuts auf. Den Blog zu der Veranstaltung findet ihr hier: shortCUTS
Der Eintritt ist frei!

Ich würde mich sehr freuen, euch dort zu sehen.

Mit den besten Grüßen
Larry deVito

Dienstag, 15. November 2011

Gedichte (101)

Genesungslyrik II - Teil 22

Adieu


Ich hör am Strand das Meeresrauschen
Und sage ihm Auf Wiedersehen
Kann ein letztes Mal ihm lauschen
Morgen wird's Zeit heimzugehen

Dankbar bin ich für die Zeit
Hinter Rostock und Schwerin
Bin für die Rückkehr nun bereit
In mein wunderschönes, hässliches
und unvergessliches Berlin

Gedichte (100)

Es ist mal wieder Jubiläumszeit. Heute erscheint das 100. Gedicht auf diesem Blog und geht auch der Gedichtzyklus "Genesungslyrik II" dem Ende entgegen. 100 Gedichte seit Anfang 2007, dankeschön an jeden einzelnen, der mal auf dieser Seite war, es macht mir auch nach vier Jahren noch viel Spaß diesen Blog zu führen.

Mit den besten Grüßen
Larry deVito 

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Genesungslyrik II - Teil 21

Die Angst vor morgen


Im Magen braut sich ein Gewitter
Aus Leid und Schuldgefühl zusammen
Frust schmeckt bitter
Und der klammen
Hände zittern offenbart die Sorgen
Um Existenz und Lebensmut
Die Angst vor morgen
Eine kleine Prise Wut

Auf den, der das alles hier verteilt
Glück gibt und nimmt und frei entscheidet
Wen das Schicksal bald ereilt
Wer lacht, wer liebt und wer noch leidet

Wenn der Morgen graut ist das Aufgeben so nah
Und trotzdem muss es weitergehen
Denn noch ist's wahr, sie dreht sich doch
Und dass es einmal besser wird
Dafür lohnt es sich aufzustehen

Montag, 14. November 2011

Gedichte (99)

Genesungslyrik II - Teil 20

Schweigen ist Gold


Er redet viel und sagt nur wenig
Er fühlt sich dabei wie ein König
Und ist doch nur der siebte Zwerg
Das fünfte Rad, ein Stein am Berg

Malt güld'ne Bilder mit den Worten
Die mich einfach nicht begeistern 
Denn stets will er nur allerorten
Sein Antlitz an die Wände kleistern

Ich denk dabei an Winnetou und längst vergangene Zeiten
An Shatterhand und wie sie durch den Wilden Westen reiten
Und was die Bücher dem Leser dabei zeigen:

Das höchste Gut ist oft das Schweigen

Sonntag, 13. November 2011

Gedichte (98)

Genesungslyrik II - Teil 19

Rückblick


So viel Veränderung, so viele Jahre,
Gedanken an längst verlorene Zeiten
Erinnerung, die ich bis heut' bewahre
Große Momente, wundervolle Kleinigkeiten

Ich bin nicht mehr, der ich einst war
Werd' es auch niemals wieder sein
Doch die Erinnerung, sie ist noch klar
Sie lässt mich niemals allein

Samstag, 12. November 2011

Gedichte (97)

Genesungslyrik II - Teil 18

Späte Tanzwut


Freitag Abend, heut' geht's los
die Rentner rufen auf zum Tanz
frisch aufgetakelt und furios
erwecken ihrer Jugend Glanz

Sie fegen furchtlos hin und her
Gehhilfen hoch in die Luft
tagsüber geht gar nichts mehr
jetzt weht hier Kölsch-Wasser-Duft

Legen 'ne heiße Sohle auf
Walzer, Tango, Slowfox, Jive
Blessuren nehmen sie in Kauf
die Alten geben sich High-Five

Jeden Tanz bekomm'se hin
die Prothesen festgezurrt
haben die guten Zähne drin
keiner der hier mault und murrt

Ein bisschen Heino und Roy Black
ich war noch niemals in New York
noch was von Dieter-Thomas Heck
schon wird neuer Wein entkorkt

Die ganze Klinik dreht am Rad
man tritt einander auf den Fuß
und wer keinen Partner hat
tanzt den Rollator-Klammerblues

Freitag, 11. November 2011

Gedichte (96)

Genesungslyrik II - Teil 17

Entschleunigung


Tabletten nehmen, inhalieren
Atemhilfsmuskeln trainieren
Essen und am Strand spazieren
Fahrradfahren, meditieren

Entschleunigung wie nie zuvor
Gesundheit steigt stetig empor
Die Langeweile schlägt mich nieder
Wann krieg ich meinen Alltag wieder?

Donnerstag, 10. November 2011

Gedichte (95)

Genesungslyrik II - Teil 16

Auf Lungenkur


Tagtäglich sieht man manche Leut'
Dank Seeluft frei von Atemnot
Und rauchen dafür wie ein Schlot
Weil sie das so sehr erfreut

Atem klingt als gäb's kein Morgen
Wer macht sich schon ums Atmen sorgen?
Verbrauchen Kippen nicht zu knapp
Herr, schmeiß' bitte Hirn herab!

Mittwoch, 9. November 2011

Gedichte (94)

Genesungslyrik II - Teil 15

Des Alters Weisheit


Ein neuer Tag, Ein neues Glück
Woher soll den Mut ich nehmen?
Den Blick nach vorne, nicht zurück
Ein Geist voll Sorgen, die mich lähmen

Muss mich für einen Weg entscheiden
In meinem Kopf nimmt Nebel mir die Sicht
Will jeden falschen Tritt vermeiden
Doch leider sehe ich die Zukunft nicht

Die Menschen hier um mich herum
Haben schon so viel zu erzählen
Ich dagegen bleibe stumm
Welchen Weg werde ich wählen?

Jung zu sein, von Vorfreude erfüllt
An manchen Tagen tauscht' ich's gerne ein
Gegen die Zeit, wenn die Begierde schon gestillt
Werd' ich mit meiner Wahl zufrieden sein?

Selig lächelnd auf das Leben sehen
Im Geist die schönen Tage neu durchleben
Oder werd' ich froh sein dann zu gehen?
Mich dem vergessen anheimgeben?

Mir bleibt wohl nichts, als Schritt für Schritt
Den Weg genau zu untersuchen
Auf Rutschgefahr und festen Tritt
frohlocken, lachen, laut zu fluchen
Und mich dem Leben hinzugeben

Dienstag, 8. November 2011

Gedichte (93)

Genesungslyrik II - Teil 14

Waagemut


Schon seit Tagen will ich mich nicht mehr auf die Waage wagen
Muss mich fragen was kann und wird mir wohl die Waage sagen
Hab Angst die Waage wird mich nicht mehr tragen
Sollt' meinen Magen kleiner machen und der Waag‘ entsagen
Sonst wird der Wanst schon bald über die Waage ragen
Werd' Kopf und Kragen wagen und chirurgisch Fett von Bauch und Magen tragen
Will verzagen, dieser Waage Waagenmacher unverhofft verklagen
Muss nun den Tag voll Festgelagen aus dem Kopf mir schlagen
Darf kein Fleisch für meinen Magen jagen
Dafür wie ein Kaninchen Tag für Tag an Möhren nagen
Mich mit Sport und Muskelaufbau plagen
Bis die Pfunde, die ungefragt auf meiner Hüfte lagen
Schlag auf Schlag vollständig abgetragen
Dann muss ich zum Glück nicht mehr verzagen
Und darf mich wieder auf die Waage wagen

Montag, 7. November 2011

Gedichte (92)

Genesungslyrik II - Teil 13

Die seltene Freude über ein defektes technisches Gerät


Wenn solch ein Moment entsteht
in dem mein traumhafter Computer
oder eines seiner Teile
mal eben und in aller Eile
flugs über den Jordan geht
werd' ich meist rot wie ein Puter

Fluche, schrei' wütenderweise
tiefer Frust ist's, der mich leitet
und Sorge um das schöne Geld
die mich dann stets spontan befällt
doch dieses Mal blieb ich ganz leise
denn es hat mir Spaß bereitet

Nicht, dass ich froh gewesen wäre
der Laptop-Bildschirm ist nun hin
doch die Lösung war recht schlau
denn ein Besuch der Frau,
nach der ich mich verzehre,
macht auf einmal so viel Sinn

Ein Informatiker ohne PC
ist vom Leben abgerissen
und mit uns'rer Einsamkeit
ergab das Grund genug, das Leid
zu lindern, sie kam zu mir an die See
musst' sie nicht noch mehr vermissen

Sie bracht' mir 'nen PC-Ersatz
auf dem ich diese Zeilen dichte
so waren wir für ein paar Tage
glücklich vereint und ohne Klage
Moral scheint hier nicht fehl am Platz
zu dieser kleinen Geschichte

So sag ich recht und sehr belesen:
Nichts im Leben war so schlecht,
dass es für nichts gut gewesen

Sonntag, 6. November 2011

Gedichte (91)

Genesungslyrik II - Teil 12

Ein bunter Hund


Wenn ich hier durch die Gänge streune
Fall' ich stets und ständig auf
Vom Durchschnittsalter bis zu mir
Gehen vierzig, fünfzig Jahre drauf

Die Kurklinik am Prerow-Strom
Ist mit Jugend dünn besät
Manch einer hier hat damals noch
zur Kaiserzeit das Korn gemäht

So mancher könnt' mir viel erzählen
Von Bismarck und den Kolonien
Doch er redet heut' nur noch
Von der Arthrose in den Knien

Wie ein bunter Hund bekannt
Jeder weiß hier wer ich bin
Ich bin jung, der Rest schon alt
Oder auf dem Weg dahin

Mancher hier hat viel erlebt
Erzählt von seiner ersten Ente
Familie gründen, Ruhestand
Nun sind die Enkel schon in Rente

Einer hat sogar erlebt
Erzählt er stolz seinem Besuch
Wie der erste Bond erschien
Doch nicht der Film, sondern das Buch

Wie ein bunter Hund bekannt
Jeder weiß hier wer ich bin
Ich bin jung, der Rest schon alt
Oder auf dem Weg dahin

So viel haben sie erlebt
Denk ich in ihrem Angesichte
Werd' bald gesund, dann geht's zurück
In meine eigene Geschichte

Samstag, 5. November 2011

Gedichte (90)

Genesungslyrik II - Teil 11

Nachtgedanken eines Kindes


Wenn ich groß bin, werd' ich gehen
Mit Schirm und Charme und gern gesehen
Der Welt zeigen, wer ich bin
Furchtlos mit gehob'nem Kinn

Alle Länder bereisen
Mit Reichen und mit Armen speisen
Jedem helfen, wo ich kann
Auch mal spenden dann und wann

Schwierige Probleme klären
Den Frieden und den Wohlstand nähren
Die Umwelt retten, Meere säubern
Kämpf' mit Dieben und mit Räubern

Bring sie auf die richt'gen Pfade
Helfe jedem voller Gnade
Selbständig und stolz und schön
So werd' ich, wenn ich groß bin, gehen

Doch jetzt so für den Moment
Wo ihr Erwachs'nen alle pennt
Hab ich Angst und denk verlegen
Darf ich mich vielleicht zu euch legen?

Freitag, 4. November 2011

Gedichte (89)

Genesungslyrik II - Teil 10

Vergissmeinnicht


Du bist nicht hier, ich sehne mich
nach Zeit zu zweit und aus mir spricht
Sehnsucht nach dir, ich liebe dich
Ach, schöne Frau, vergiss mein nicht!

Donnerstag, 3. November 2011

Gedichte (88)

Genesungslyrik II - Teil 9

An manchen Tagen


An manchen Tagen schweige ich
Weil ich nichts zu sagen habe
Behalte jedes Wort für mich
So vieles wird umsonst gesagt

An manchen Tagen frage ich nicht
Weil ich nichts zu fragen habe
Behalte, was ich denk', für mich
So vieles wird unnütz gefragt

An manchen Tagen müsst' ich mich
laut echauffieren bei all dem Mist,
alles sagen was auf meiner Seele liegt,
sich stets vermehrt und so schwer wiegt
fragen was zu fragen ist
Aber dennoch schweige ich

Mittwoch, 2. November 2011

Gedichte (87)

Genesungslyrik II - Teil 8

Abendrot


Die letzten Sonnenstrahlen
vergehen am Horizont
weichen der Nacht und malen
farbenprächtig und gekonnt

ein unfassbar schönes Bild
rot und orange ans Himmelszelt
dass es schnell zu fassen gilt
schon verdunkelt sich die Welt

schwarze Nacht umfängt die Sicht
die ersten Sterne sind zu sehen
all das für sich ist so schlicht
und dabei so ergreifend schön

Dienstag, 1. November 2011

Gedichte (86)

Genesungslyrik II - Teil 7

Holdes Antibiotikum


Ach du schöne Antibiose
egal ob Mann oder Mimose
bringst Gesundheit jedermann
jedem, der sie brauchen kann

egal ob Frau, ob kleines Kind
die Genesung kommt geschwind
jederzeit wirst du verschrieben
weil wir dich von Herzen lieben

bei Husten, Schnupfen, Heiserkeit
Krankheit, duck dich, sei bereit
wir schicken Antibiotika
bald schon bist du nicht mehr da

Nebenwirkung gibt es keine
alt und jung hilft's auf die Beine
wer will schon ruhen, Fernseh gucken
man kann doch auch Tabletten schlucken

du bist so wundervoll und drum
liebes Antibiotikum
der du verscheuchst all uns're Schmerzen
danken wir dir von ganzem Herzen

Montag, 31. Oktober 2011

Bildliches (1)

Einen wunderschönen guten Abend,

hier mal ein neuer Versuch, eine Umsetzung eines meiner Gedichte mit Fotos. Das Gedicht entstammt meinem ersten Gedichtband und ist der zweite Teil des Zyklus "Als einer auszog, die Liebe zu suchen".

Falls ihr das gut oder schlecht findet, oder sonst irgendeine Meinung dazu habt, schreibt mir doch an belaw [at] gmx.net, oder direkt als Kommentar unter den Post, damit ich weiß, ob ich sowas in Zukunft öfter mal probieren sollte.

Mit den besten Grüßen
Larry deVito


Gedichte (85)

Genesungslyrik II - Teil 6

Schilderwald


Kommt ein Tourist in diesen Ort
gibt es mancherlei zu sehen
ein kleines Schild am Hafen dort
lädt ein auf Schifffahrtstour zu gehen

Ein Zehner wird pro Fahrt kassiert
auf diesem Mississipi-Boote
Und wer ein Tier noch mit sich führt
zahlt Fünfundzwanzig Cent pro Pfote

An der Seebrücke hängt weiß und schlicht
ein kleines Schild mit großen roten
Lettern für Fahrradfahrer da und spricht:

Wer klar im Kopf ist, fährt hier nicht
Und für den Rest ist es verboten!

Sonntag, 30. Oktober 2011

Gedichte (84)

Genesungslyrik II - Teil 5

Klimatherapie


Des Wandrers stete Schritte stapfen
Durch Dreck und kleine Tannenzapfen
Abgeworfene Blätter, Wasser
Sein Schuh wird nass und immer nasser

Alles so voller Natur
Eignet sich grandios zur Kur
Nun wollen wir mal loskurieren
Denkt er sich so beim marschieren

Wir atmen ein, wir atmen aus
Luft kommt herein und zieht hinaus
Dies wird noch mehrmals so getan
Voller Inbrunst und Elan

Doch dann wird es ihm langweilig
Sehnt sich nach Berlin zurück
Nach Internet und iPod Touch
statt guter Luft und Waldesmatsch

Handy, Facebook, Fernsehkiste
Die meterlange Stichpunktliste
Streß, vertrauter Straßentrubel
Spätkauf, Saturn, Hugendubel

Was soll er tun, hier an der See
vom Frühstück bis zum Mittagstee?
Ohne Planungsdruck, Zeitmangel
Hektik und S-Bahn-Platzgerangel

Wie soll man sich denn hier entspannen?
Zwischen all den stillen Tannen
Wo doch so gar nichts hier passiert
Man stets nur läuft, ins Leere stiert

Die Stille kommt ihm spanisch vor
So ohne Kopfhörer im Ohr
Ohne Technik, unverstärkt
Hat er sie noch nie bemerkt

Wie ging das noch, sich auszuruhen?
Was muss man denn dabei dann tun?
Wie entspannt man effektiv,
schnell und möglichst intensiv?

Das Entspannen strengt ihn an
Weil er es lang schon nicht mehr kann
Und so geht's bald verspannt zurück
Ins schnellebige Großstadtglück

Samstag, 29. Oktober 2011

Gedichte (83)

Genesungslyrik II - Teil 4

Was man nicht kennt


Muss schlimm sein, diese Atemnot
sagt sie zu ihm beim Abendbrot

schlimm ist nur, was man nicht kennt
denkt er da leise, spricht's nicht aus
was man vertraut beim Namen nennt
verliert an Einfluss und an Graus

Sind sicher furchtbar diese Schmerzen
sagt sie zu ihr, Mitleid im Herzen

schlimm ist nur, was man nicht kennt
was nicht vertraut ist und gewohnt
denkt sie leise, schweigt gehemmt
weil Reden sich ja doch nicht lohnt

Was man kennt, kann man ertragen
hört sie sich dann leise sagen
Nur der Rest, der Schmerz von Morgen,
der macht mir noch manchmal Sorgen

Freitag, 28. Oktober 2011

Gedichte (82)

Genesungslyrik II - Teil 3

Ein menschliches Stillleben


Ein alter Mann mit müden Augen
mit Knochen die zu nichts mehr taugen
und nettem Lächeln im Gesicht
hat Schmerzen, dennoch klagt er nicht
ein Rollator hilft, sich zu bewegen
Grüßt freundlich kommt er mir entgegen

und hätt' ich einen - ich zög' den Hut
vor seinem stolzen Lebensmut
auch noch in solchen schweren Tagen
den Kopf so aufrecht hoch zu tragen

Donnerstag, 27. Oktober 2011

Gedichte (81)

Genesungslyrik II - Teil 2

Gegen das Jammern


Manches ist auf dieser Welt
nicht so, wie ich's mir vorgestellt
kaum einem ist die Kunst gegeben
das was er hat auch zu erleben

das Jammern fällt ihm nicht so schwer
geniessen doch dagegen sehr
zu jammern scheint auch dies' Gedicht
doch schliessen will ich damit nicht

ich freu mich heut mal ganz bewusst
der ungetrübten Lebenslust
zieh' die Luft ein in die Lungen
atme tief und ungezwungen
schau' mir schöne Landschaft an
und erfreue mich daran

Lauf am Meer landauf, landab
Sand und Dünen nicht zu knapp
Salz in der Luft und Sand im Schuh
Hier eine Mäh, da eine Muh,

Alles windet sich im Wind
Genieß' die Tage wie ein Kind
mit großen Augen und bewusst
voll ungetrübter Lebenslust

Leg mich dann früh am Abend hin
im Geiste hier und in Berlin

Genieße meine kleine Welt
und bevor Schlaf mich befällt
kommt ein Gedanke bei mir an
erfreue mich noch kurz daran
dann schlaf ich lächelnd tief und fest

die Welt ist schön, wenn man sie lässt

Gedichte (80)

Einen wunderschönen guten Morgen,
da ich mal wieder im Auftrag meiner Gesundheit unterwegs bin, gibt es ab heute die Fortsetzung der Gedichtreihe "Genesungslyrik". Jeden Tag mindestens ein Gedicht, wobei sie sicherlich nicht alle thematisch damit zu tun haben werden.

Fühlt euch gegrüßt
Larry deVito

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Genesungslyrik II - Teil 1

Mangelerscheinung


Morgens wenn ich halb noch schlafe
fehlt schon die Wärme neben mir
so kalt und leer, einsame Strafe
ich bin leider nicht bei dir

Wochen, Tage, Stunden,
das alles steht noch hier im Raum
schon jetzt zähl' ich die Sekunden
streich sie ab, des Nachts im Traum

Alles was hier fehlt bist du
den ganzen Tag von früh bis spät
am Tag und Nachts und immerzu
während zäh die Zeit vergeht
auf ihre schwerfällige Weise

Und ich sitz hier, ganz allein
hoff, am Ende dieser kleinen Reise
wird es das wert gewesen sein

Mittwoch, 12. Oktober 2011

Gedichte (79)

Offene Ohren und ein Lächeln


Ich spreche nicht für unsere Generation
und nicht über falsches Recht
nicht für unsere Nation
und über mein Geschlecht

Muss nicht die Welt bewegen
nur den Stift auf dem Papier
noch keine Lust ihn wegzulegen
so viele Worte fehlen mir

Bin nicht Wecker und nicht Wader
nicht Georg Schramm, nicht Josef Hader
Was ich sage erweckt keine Revolution
offene Ohren und ein Lächeln,
das genügt mir schon

Bin nicht Bill Kaulitz und nicht Sido
nicht Mario Barth und nicht Bushido
füll' keine Stadien, keine Hallen
muss nicht jedermann gefallen

Werd' nicht die Welt bewegen
nur den Stift auf dem Papier
hab keine Zeit ihn wegzulegen
so viele Worte fehlen hier

Gedichte (78)

Ade FDP


Am Horizont, da sieht man sie verglühen
Kometenhaft und inhaltsleer
Man erkennt sie ohne Mühen
Selbstbewusst, bedeutungsschwer

Auf ihrem bisher besten Weg
Bis zum Abgrund und noch weiter
Beliebtheit auf dem schmalen Grat
Zwischen Beulenpest und Eiter
Wo dreiste Sprache sinnlos waltet
Ward Wählergunst schnell ausgeschaltet
Guidos Stimmung ist verdrießlich
Denn bei der nächsten Landtagswahl
Steht Projekt 18 ausschließlich
für ihre Mitgliederzahl

Ein solcher Niedergang
der gibt Hoffnung für die Welt
Die Lobbyisten stehen im Regen
Ein Hauch Vernunft
der in die Politik Einzug erhält

Vielleicht wird eines Tages
auch Frau Merkel abgesetzt
Und Sarrazin muss
schweigend Straßen fegen
Die Hoffnung stirbt zuletzt

Mittwoch, 14. September 2011

Gedichte (77)

Kompromiss


Die Gemüter sind erhitzt
Die Sache hat sich zugespitzt
Die Presse gießt noch Öl ins Feuer
Welcher Staatsmann ist wie teuer?

Kritiker, die in Reden sich erregen
Politiker - sie sollen ihr Gehalt darlegen
Und aufhören zu kassieren
Von den Firmen die sie schmieren

Diskussionen fließen hin und her
Argumente wiegen schwer
Selbst das Volk ist aufgebracht
Allerorts Verdruss entfacht

Doch hier mein Vorschlag zur Güte:
Wir drucken Jacken, Mäntel, Hemden, Hüte
Mit den Namen der Sponsoren
Der Regierung geht kein Cent verloren

Doch wie im Sport sieht man dann gleich
Wer macht welchen Staatsmann reich
Wer wird hier von wem bezahlt
Ich hab's mir genau ausgemalt

Entscheidungen werden leicht verständlich
Die Politik, sie klärt sich auf
Die Not zu Lügen sinkt schlussendlich
Warum kam noch niemand drauf?

Auch für die Optik wär's famos
Das Grau in Grau wären wir los
Wir bringen per Sponsorvertrag
Mehr Farbe in den Bundestag

Resteessen (3)

Hier sind ein weiteres Mal ein paar Brocken, die eigentlich Gedichte werden wollen, aber es entweder noch nicht zu Gedichten geschafft haben oder schon so lange auf dem Abstellgleis sind, dass sie es wohl nie schaffen werden. Ein paar haben es immerhin bis zu einem Titel gebracht.
Viel Spaß damit!




Szenemenschen

Herausgeputzt als gelt‘ es heut
Der Geisterbahn die Furcht zu lehren

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Stetig führt mein Weg mich weiter
Die Zeit vergeht so rasend schnell
Was geschieht stimmt mich nicht heiter
Die Lunge schmerzt, das Licht brennt grell

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Ich könnte aufstehen, losgehen
Der Welt zeigen wer ich in
Mit Schirm und Charme und gern gesehen
Wohin mich auch die Schritte tragen
Würd‘ meine Botschaft ich verkünden
alles and're überragen

---

Ich sitze zuhause und scheibe Gedichte
Wenn ich so manches Mal vergangene Zeiten nachbelichte
Ihnen Raum geb zum Entwickeln
Stellt sich mir oft eine große Frage
Wann immer ich lyrisch jubel und klage
stundelang an Zeilen frickel
Steht sie im Raum und sieht mich blöde an
Und nur selten trau ich mich an sie heran
Aus Angst, die Antwort gefiele mir nicht

---

Heben wir die Gläser
Trinken wir auf alte Zeiten
Wer wir sind und einmal waren
Auf den Weg, den wir bestreiten
Kommt, leeren wir in einem Zug
Was uns von der Ekstase trennt
Erinnern die Vergangenheit
Solang‘ uns noch die Kehle brennt

---

Und als der Tod den Raum betrat
Saßen sie still in ihren Stühlen
Vor Angst gelähmt, er konnt‘ es fühlen
Als ein kleiner Junge leise bat:

Gedichte (76)

Ein Gedicht, das schon vor ungefähr einem Jahr entstanden ist. Ich dachte mir, es hat eigentlich noch einen eigenen Post verdient. Es ist ein kleiner Tribut Rainer Maria Rilke, einen der - wie ich finde - großartigsten Dichter und versucht, einen sehr berühmten Text von ihm ein wenig zu aktualisieren.




Herbsttag - eine lyrische Adaption für den Herrn Rilke

Herr, es ist Zeit
Der Sommer soll sich dem Ende zuneigen
Leg deinen Schatten auf die Badestrände
Lass alle ohne Ende bei Facebook ihre Bilder zeigen
Befiehl den letzten Nordic Walkern heim zu gehen
Schick ihnen ruhig Regen und Hagel
Dräng sie von den Hängen Weg und jage
Mit Donnergrollen auch Surfer und Angler von den Seen

Wer jetzt kein Haus hat sollte einen Makler anrufen
Wer jetzt allein ist wird sich schon die Zeit vertreiben
Fernsehen gucken oder anderen bei Partnerbörsen schreiben
Und wird vor seinem Haus die wenigen Stufen
Endlos streuen, damit Besucher stets am Leben bleiben

Freitag, 9. September 2011

Gedichte (75)

Einen wunderbaren guten Abend wünsche ich!
Dies ist das 75. Gedicht auf meinem Blog, seit seiner Entstehung 2007, das finde ich sehr faszinierend,
Ich wünsche ein schönes Wochenende allerseits...

Greetz
Larry


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Der Narr


Es saß dereinst auf einer Kuppe
Ein Narr mit einer Nudelsuppe
Und wie er sie so zu sich nahm
Ihn eine Frage überkam:

Was tu ich hier mit dieser Suppe
Als Narr auf einer kleinen Kuppe?

Das Essen, es will mir nicht munden
Und noch dazu bin ich allein
Kann weder satt, noch närrisch sein
Die Antwort hat er nicht gefunden

War halt ein Narr, kein Philosoph
Lief kopfschüttelnd zum Königshof
Und dachte sich: so wie mir geht’s
wohl den meisten
Schuster, bleib bei deinen Leisten!

Freitag, 19. August 2011

Gedichte (74)

Sommer in Berlin


Berlin, dein Sommer ist zurück
Parks und Parties, Technobeats
Wo jeder Ort und jeder Kiez
mit dem neuesten Sound beglückt

Flohmarkt, Demo, Liegewiese,
Beerdigung und Mittagspause
wird zur Elektro-Hipster-Sause
Schnieke Klamotten, Hippe Frise

schnell die Gelegenheit gepackt
Menschen wiegen sich im Takt
und es tanzt sich sehr entspannt
mit 'nem Sterni in der Hand

Gedichte (73)

Heimkehr

Die Berge die zum Ziel mich leiten
Am Horizont ragen sie auf
Alles hier, es birgt zuhauf
Erinnerung an alte Zeiten
All die Gedanken, die mich tragen
treiben Schabernack in mir
Bin zurück, doch bleib nicht hier
Ich wollte nur mal danke sagen

Gedichte (72)

Einen wunderschönen guten Tag,

das neue Buch ist fertig geschrieben und wird sich demnächst auf Verlagssuche machen. Das bedeutet, ab sofort werden hier auch wieder mehr Gedichte veröffentlicht, weil ich wieder Zeit zum schreiben habe. Wer Zeit hat, der halte sich unbedingt den 11.10. frei, da kommt mein Lieblingsslammer Felix Römer nämlich zum Dichtungsring!

Genießt den Sommer!

Grüße
Larry

PS: Wer noch ein Exemplar von "Schlicht & Ergreifend" haben will, der schreibe einfach an belaw [ät] gmx . net, wie viele er braucht und wohin sie sollen. Der Gedichtband kostet fünf Euro und ich habe Hoffnung, dass die erste Auflage bis Ende des Jahres verkauft ist!



Auf alte Zeiten


Wie der Rausch den üblen Kater
Wie Luke Skywalker den Vater
Wie ein Nazi Argumente
Wie ein Workaholic Rente
Wie ein Punk Bürokratie
Wie der Papst die Sodomie
Wie Hip Hop-Bands Bescheidenheit
Ein Philanthrop die Leidenszeit
Wie ein Selbstmörder das Leben
Wie ein Geizkragen das Geben
Wie ein Voyeur Scheinwerferlicht
Ein Faulpelz seine Extraschicht
Wie Peter Lustig kleine Kinder
Wie Vegetarier tote Rinder
Wie ein Verbrecher das Gestehen
so sehr freu‘ ich mich, dich zu sehen!

Donnerstag, 7. Juli 2011

Gedichte (71)

Leidensgeschichte eines Waldarbeiters

An dieser jungen Maid mein Lord
Verübte ich den Mord der so viel Leid
Über mein Leben brachte und das der Dame stark beschnitt
Als kurz nur mir die Axt entglitt weil diese laut über mich lachte
Mord ist’s wenn aus nied’rem Grunde ein Lebenslicht sein Ende finde
Und nieder ist beinah gelinde ausgedrückt für das was ich in jener Stunde
Empfand, warum ich diese Tat getan, statt mich nur einfach abzuwenden
Wollt nur ihr Lachen ich beenden, das so höhnisch und profan
Mich lächerlich da stehen ließ, seitdem habe ich kaum geschlafen
Seit die beiden sich da trafen, meine Axt und diese Frau, die Magda hieß

Das Gewissen schlecht, mir drückt der Schuh
Und ich finde keine Ruh, denn ich weiß es war nicht recht
Drum kam ich um hier zu gestehen und um Absolution zu bitten
Man wird es niemals wieder kitten, mein Herz das Magda mir gespalten

Mein Leid zahlt nun die Zeche, ach, was war ich für ein Tor
Mein Lord ich schwöre, ich verspreche, es kommt bestimmt nicht wieder vor

Gedichte (70)

Schweigeminute


Wir sitzen da, so wie wir immer saßen
In unserer kleinen Bar, fernab vom Lärm der Straßen
Meist trink ich ein Bier und du ein Gläschen Wein
Doch nur dein Körper sitzt noch hier,
im Geist bin ich schon lang allein

Wir reden über Zukunft, Beziehungen und Glück
Alles wirkt so abgestumpft, ich will die Zeit von einst zurück

Weit und tief waren mal die Themen, die wir hier alkoholgetränkt
Besprachen ohne uns zu schämen, bei Offenheit die manche Blicke senkt
Stets am gleichen Tisch und so oft es eben möglich war
Solang die Wunden noch frisch und die Erinnerung klar
An das was uns damals geplagt, Seelenreinigung, wie du es immer nanntest
Wir haben gemeinsam das Leben hinterfragt, als du mich noch kanntest
Jetzt sitz ich da, die Augen geschlossen, halte eine Schweigeminute für uns zwei,
die Zeit ist einfach weitergeflossen, was einmal war ist schon lange vorbei

Unsere Wege trennen sich, ich weiß, wir sitzen nie wieder hier,
Ich seh dir nach, versteh es nicht, doch mit dir geht ein Teil von mir

Gedichte (69)

Christian


Ich glaube fast, du gehst jetzt besser
Die schauen schon ziemlich grimmig drein
Der Typ auf zwölf Uhr hält ein Messer
Und setzt es sicher auch ganz gerne ein

Vielleicht hättest du besser die Klappe gehalten
Ihm nicht gesagt was für ein Assi er ist
Jetzt will er dich zusammenfalten
Bis du blutbefleckt elend am Boden bist
Du hast ja schließlich auch seine Mutter beleidigt
Und sein Ed-Hardy-Polo Shirt
Ihm gratuliert wie tapfer er seine Unschuld verteidigt
Ich glaube das hat ihn kurzzeitig verwirrt

Die Frau da hinter dir scheint nachzudenken
Wo sie dir ihre High-Heels gleich hintreten will
An deiner Stelle hätte ich langsam Bedenken
Dein Mundwerk steht einfach zu selten still

Vielleicht hättest du besser die Klappe gehalten
Ihr nicht gesagt, wie fett sie doch ist
Jetzt will sie dir den Schädel spalten
Bis du nur ein Haufen Vergangenheit bist
Musstest du wirklich die Schenkel anpreisen
100 Kilo hätten sie das Stück
Und man könne die Armen der Welt davon speisen
Ich glaube sie kommt darauf nochmal zurück

Und so war’s schon so oft
Doch mehr Glück als Verstand
Das dann stets und unverhofft
An deiner Seite Stand
Brachte dich jedes Mal heil wieder heim
Doch ich sag es dir ehrlich:
Heut bist du allein

Hast dir’s doch verdient – und das tausend Mal
Gingst ans Limit und ich, ich geh jetzt gemächlich nach Haus
Noch einen schönen Abend wünsch ich dir
Vielleicht lernst du ja endlich daraus

Gedichte (68)

So, endlich geht es hier mit Gedichten weiter. Nun folgen ein paar Posts hintereinander - alles Gedichte, die ich gestern beim Dichtungsring vorgetragen habe.

In wenigen Wochen ist mein Roman in der ersten Version fertig, dann sollte ich auch wieder mehr Zeit für das Schreiben neuer Gedichte haben.

Grüße
Larry


Alltag

Wenn Montag früh der Wecker klingelt
Man schlaftrunken zur Arbeit tingelt
der Dienstag wie im Flug vergeht
man Mittwochs viel zu spät aufsteht
und Donnerstag dann Überstunden
schieben muss,
der Rücken schmerzt vom ungesunden
langen ergonomisch fiesen
sitzen auf dem alten miesen
Schreibtischstuhl,
doch ein neuer ist zu teuer
und Freitag geht das schuften weiter
für Zukunft und Karriereleiter
am Wochenende Rasen mähen,
Garten jäten, Samen säen,
Sonntags erschöpft schlafen gehen
vor lauter Streß kein Land mehr sehen

Wenn Montag früh alles neu startet
erkennt man's dann ganz unerwartet
und lernt leider nur das daraus:
Rock'n'Roll sieht anders aus

Dienstag, 28. Juni 2011

Bewegte Bilder (4)

Es gibt mal wieder ein neues Video von mir und darüber freue ich mich sehr.
Hier könnt ihr es euch angucken:


Arno Wilhelm - Horst



Es ist beim Kreuzbergslam im Juni entstanden, das war ein schöner Abend.

Ach ja, kommt alle zum Dichtungsring am 06.07., diesmal ist es ein Mittwoch, weil wir der Frauen-WM weichen mussten.
Mit:
-Matthias Niklas
-Frank Klötgen
-Daniel Hoth
-Arno Wilhelm
als Gäste: Stephen Blaubach und Svenja Gräfen
Musik macht für euch: Hans Sølo

Ich freu mich schon total und hoffe ich sehe den einen oder anderen,

Mit den besten Grüßen
Larry

Mittwoch, 4. Mai 2011

Gedichte (67)

Erkenntnis an der Bar oder Liebe Michelle


Dein Körper ist wahrlich ein Ort
an dem Blicke schweifen lernen
wie du so stehst am Tresen dort
scheint’s wie ein Griff nach fernen Sternen

auch nur zu nahe dir zu kommen
so sitzt der Typ da, ganz benommen,
und zieht in seines Hirnes Haus,
dir bis zur Haut die Kleider aus

bis du wie dereinst Gott dich schuf
und gute Gene dich dann formten
in deinem schönen, wohlgenormten
Körper dieses Mannes Ruf
befolgst und völlig nackt und lüstern linsend
erotisiert und fröhlich grinsend
marionettengleich gesteuert
von zügelloser Lust befeuert
ihn erst erregst und dann verführst
euch beide unsittlich berührst
dich mit deinen langen Beinen
auf ihn setzt und ihn an seinem….


Schon gut! Schon gut!
Okay, ich geb dir recht
So langsam wird mir
auch schon schlecht

Es stimmt, von deinem Standpunkt
und mit deinem Blick besehen
Ist dein Ekel zu verstehen

Donnerstag, 21. April 2011

Gedichte (66)

Wurde ja auch Zeit

Ich stehe hier in aller Ruh'
am Bahnhof hoch im Norden
schau zwei Libellen beim Vögeln zu
es ist Frühling geworden

Gedichte (65)

So, endlich geht es mal weiter. Entschudldigt, dass ich euch so vernachlässigt habe, aber bei mir geht die meiste kreative Zeit gerade für mein neues Buch drauf, das mir bis jetzt furchtbar gut gefällt. Ich schreibe jeden Tag daran und hoffe, dass die erste Fassung im August fertig sein wird. Außerdem bereite ich den nächsten Dichtungsring vor (http://dichtungsring.wordpress.com) der am 03.05. stattfinden wird.

Ich wünsche euch ein schönes Ostern!

Beste Grüße
Larry deVito




Ich hab geträumt ich war

In einer Welt, wo bunt die Blumen sprießen
wo die Menschen sich noch grüßen
und man friedlich schläft zur Nacht
just da bin ich aufgewacht
hab mir das Elend angesehen
beschloss mich wieder umzudrehen
und statt hier länger noch zu wachen
die Augen wieder zuzumachen

Mittwoch, 23. März 2011

Bewegte Bilder (3)

Einen wunderschönen guten Tag,

die Arbeit an meinem neuen Buch geht gut voran, ich bin gespannt wann ich soweit bin, dass ich Auszüge daraus online stellen kann. Vorher wollte ich euch aber noch auf etwas hinweisen:

Unter diesem Link kann man für mich beim Arte-Webslam abstimmen und ich würde mich sehr freuen wenn das der eine oder andere von euch tun würde.

Inzwischen gibt es auch ein paar neue Gedichte von mir, also werden hier demnächst auch mal wieder ein paar neue zu lesen sein.

Fühlt euch gegrüßt
Larry deVito

Dienstag, 15. März 2011

Seitensprünge (5)

Bonjour,

es ist wieder einmal soweit! Ein neuer Artikel von mir steht bei Slammin' Poetry online und ich hoffe er gefällt euch.

Ich habe mich diesmal mit dem Buch "Warum ich Angst vor Frauen habe" von Mischa-Sarim Vérollet befasst.
Hier der Link zum Artikel:

Releases: Mischa-Sarim Vérollet - Warum ich Angst vor Frauen habe

Mehr von Mischa findet ihr unter www.verollet.de.

Auf bald,
Larry

Termine (7)

Salut miteinander,

ich wollte euch Bescheid geben, dass das Programm für den nächsten Dichtungsring am 03.05. nun komplett ist:

-Jan Koch liest und spielt Gitarre
-Matthias Niklas liest
-Malte Rosskopf liest
und ich lese auch und führe durch den Abend.

Ich hoffe sehr euch dort zu sehen,
vor allem weil ich da in meinen Geburtstag reinfeiern werde!

Mit den besten Grüßen
Larry deVito

Donnerstag, 3. März 2011

Termine (6)

Einen wunderschönen guten Tag,

ich wollte nur Bescheid geben, dass ich am Montag, den 07.03. im Club A18 in Zehlendorf lesen werde, insgesamt ca. eine Viertelstunde. Der Club ist von der Schließung bedroht, die Infos dazu gibt's unter: http://www.club-a18.de/

Einen angenehmen Abend allerseits!

Larry deVito

Dienstag, 1. März 2011

In eigener Sache(4)

Einen wunderschönen Dienstag wünsche ich euch,

jetzt, da die Klausuren rum sind besteht wieder Hoffnung, dass es voran geht mit der Lyrik. Vorher möchte ich euch allerdings noch etwas zeigen, auf das ich sehr stolz bin:

www.arno-wilhelm.de

Meine Homepage ist endlich online und ich freu mich sehr darüber. Ein paar Inhalte fehlen noch und werden bei Gelegenheit nachgereicht, aber prinzipiell gefällt sie mir sehr gut.

Mit den besten Grüßen
Larry

PS: Der Termin für den nächsten Dichtungsring steht, es wird der 03.05. sein und Matthias Niklas und Jan Koch sind auf jeden Fall wieder mit dabei! (http://dichtungsring.wordpress.com hält euch auf dem Laufenden...)

Donnerstag, 10. Februar 2011

Gedichte (64)

Horst

Ängstlich guckt er in die Röhre
besorgt, er könnte was verpassen
hat dies‘ Zimmer und das Haus
schon so lang nicht mehr verlassen

Horst geht nicht raus, nicht auf die Straße
empfängt auch keinen, der ihn bedauert
Horst bleibt Zuhaus‘ denn er hat Angst
vor der Gefahr, die draußen lauert

Vor Anthrax, SARS und Noroviren
Vor Dioxin in Ei und Tieren
Burn-Out durch den Arbeitsstress
BSE, ADHS

Er bleibt daheim, er will sich schonen
vor Arbeitswut und Depressionen
chronischem Erkältungsleiden
Schmerzen in den Eingeweiden
Borderline und Magenkrämpfen
Pollenflug, giftigen Dämpfen
was er auch spürt, er fürchtet sich
vor Asthma, Durchfall, Sonnenstich,
Erbkrankheiten in der Sippe,
Pfeiffer’schem Fieber, Schweinegrippe
Fischvergiftung, Infektionen
Tod durch OPs und Transfusionen
hat Angst vor Maul- und Klauenseuchen,
vor Spinnen und vor Vogelscheuchen
Schönheitswahn und Bulimie,
Magersucht, Coulrophobie,

Angst vor Terror, Blut im Stuhl,
vor dem globalen Sündenpfuhl
Spannern, die ihn geil begaffen
vor alten pädophilen Pfaffen
die katholisch ihn bedrängen
Angst vor Muslimen die sich sprengen
und primitiv gottlosen Heiden,
er muss Versammlungsplätze meiden
und ebenso die Bahn und Busse,
Angst vor der Türe steht der Russe,
der mit Polonium ihn vergiftet,
Angst dass die ganze Welt zerklüftet
er sorgt sich um Gedächtnisschwund

er fürchtet auch, er ist gesund
und nur ein Hypochonder,
ein Angsthase, nicht allzu hell
und sonst auch nicht ganz normal
doch täglich zeigt ihm RTL:

Die Bedrohung ist real!

Freitag, 28. Januar 2011

In eigener Sache(3)

Einen wunderschönen guten Tag,
ich wollte mal auf die neue Verlags-Homepage bzw. den neuen Shop meines Verlags hinweisen, über den man jetzt auch mein Buch bestellen kann:

www.thurneysser-verlag.de

Ich wünsche euch allen ein angenehmes Wochenende und hoffe, ich werde ein paar von den Gedichten an denen ich gerade schreibe in nächster Zeit online stellen können.

Grüße
Larry deVito

Donnerstag, 20. Januar 2011

Termine (5)

Einen wunderschönen guten Abend,

heute kommt mal wieder ein bisschen Bewegung in den Blog.
Ich wollte euch noch zwei Termine mitteilen:

Am 21.01.2011 (also quasi morgen) trete ich beim dicht.it-Slam im Laika auf, Beginn ist 19:30 Uhr und das Line-Up gefällt mir bis jetzt sehr gut, lasset euch dies nicht entgehen ;)

Am 08.02.2011 findet meine neue Lyrik-Lesebühne, der Dichtungsring zum ersten Mal statt. Beginn ist auch da 19:30, ebenfalls im Laika und der Eintritt beträgt 2 €
Freut euch auf sehr viel unterschiedliche Lyrik und zwei unterhaltsame Stunden mit den Wortverwirrungen der deutschen Sprache!
Es lesen: Matthias Niklas, Jan Koch, Josefine Berkholz, Arno Wilhelm
Es singt: Jan Koch
Es moderieren: Arno Wilhelm, Matthias Niklas


Mit den besten Grüßen
Sir Larry de la Vito

Gedichte (63)

Glück


In den Arm genommen werden
Ihre Nähe an dir spüren
Selbstverständlich Wärme schüren
Wach und ohne Seelensorgen
Ach, du schöner Samstag Morgen

Bewegte Bilder (2)

So verehrte Mitleser und -leserinnen,
ich hätte hier mal noch zwei Videos für euch, die am 06.01.2011 beim Wort und Spiele - Slam in Joe's Bar gemacht wurden und mir sehr gut gefallen, euch hoffentlich auch.




Dienstag, 11. Januar 2011

Gedichte (62)

Endlich mal wieder ein neues Gedicht. Verzeiht, dass es solange gedauert hat. Hoffentlich wird das nicht die Regel :)
Dafür trete ich gerade relativ viel auf (das nächste Mal beim dicht.it-Slam am 21.Januar) und bereite den Dichtungsring vor.

Beste Grüße
Larry deVito



Blick nach vorn


Du hast deinen Weg gefunden
ziehst stumm und strebsam deine Runden
wie ich es sonst auch zu tun pflege
doch heute nagt an mir ein Leiden
bahnt sich ungewohnte Wege
tief in meinen Eingeweiden

Schlaflose Nächte, Streß und Druck
die bitt're Pille die ich schluck'
fremdbestimmte Arbeitstage
nie gehört mein Leben mir
der Sinn darin die Gretchenfrage
täglich grüßt das Murmeltier

Wo will ich hin? Wo soll ich stehen
wenn es einst Zeit wird zu gehen?
wenn ich einmal im Sterben liege
mich dem Abschied anvertraue
mich in der Erinnerung wiege
im Rückblick auf mein Leben schaue

Ich will in mir Gewissheit tragen
gut und gern gelebt zu haben
viel erlebt, niemand geschadet
eigene Wege hinterlassen
nicht in Eitelkeit gebadet
ohne Zorn, ohne zu hassen

mir und sonst auch treu geblieben
den Weg zum Ziel vorangetrieben
friedlich und nicht zu verschlossen
ohne mich sehr zu gefährden
das Leben wie es kam genossen
so hätt' ich's gern, so soll es werden

Des Weckers Klang bringt mich auf Trab
wende den Blick vom Uhrzeiger ab
straffe mich, ordne das Hirn
es wird Zeit nun aufzustehen
um wie so oft im feinen Zwirn
zum arbeiten zu gehen